Plötzlich Polizeikommissarin.

 

Zu spät, bzw. später als versprochen, kommt nun doch endlich mein Blogeintrag zu den ersten Tagen auf der neuen Dienststelle. Ich ziehe gerade noch um und neben dem Umzug und einem sehr anstrengenden und kompliziertem Küchenbau, stehen ja auch auf der Arbeit so viele Dinge an und ich bin schlichtweg nicht früher dazu gekommen. Dafür aber jetzt – besser spät als nie 🙂 “Plötzlich Polizeikommissarin.” weiterlesen

Meine Abschlussrede vom 29.03.2019

Wie versprochen, wollte ich euch meine Abschlussrede, die ich bei unserer Graduierung/Ernennung meines Jahrgangs am 29.03.2019 gehalten habe, nicht vorenthalten. Hier findet ihr den Text, sowie das Video in voller Länge (bis auf die Danksagung, die habe ich rausgelassen). Ich hoffe ihr verzeiht mir den schrecklichen Filter, aber das war die einzige Möglichkeit, mein Gesicht einigermaßen unkenntlich zu machen. Ja, ich spreche etwas schnell – das war die Aufregung. Und ja, ich heule am Anfang auch ein bisschen – aber so bin ich halt 😀

Meine Abschlussrede / 29.03.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Gäste,

auch, wenn diese Veranstaltung jetzt schon fortgeschritten ist und es Zeit wird, dass wir endlich feiern und diesen besonderen Tag mit unseren Liebsten ausklingen lassen können, begrüße ich euch trotzdem nochmal alle recht herzlich auch von meiner Seite. Ich bin PK’in TagebucheinerPolizistin und ich möchte einfach noch einige Worte sagen – zu euch, liebe frisch gebackenen Kommissarinnen und Kommissare!

Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir schon vorher viele Gedanken gemacht, wie es wohl sein wird, hier oben zu stehen und eine Rede zu halten. Ich bin wirklich super nervös und gerade voller Emotionen, denn für uns alle ist das heute ein wahnsinnig wichtiger Tag. Der Tag, auf den wir 3 Jahre hingearbeitet haben. Egal ob Schupo oder Kripo, wir alle haben diesen Bachelor Studiengang mit dem heutigen Tag erfolgreich absolviert.

Vor ein paar Wochen, als ich die Schulterschlaufen mit dem silbernen Balken drauf eingepackt habe, um sie heute gegen den Stern zu tauschen, wirkte alles noch so surreal. Man wusste zwar irgendwie, was das bedeutete, aber richtig bewusst war es mir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es kam dann immer mehr: die letzten Noten, die Info über die Erstverwendung, das Zusammenpacken der Uniform, die Vorbereitungen für den heutigen Tag. Aber soll ich euch mal ganz ehrlich was sagen? Die richtige Aufregung kam erst, als ich heute früh aufgestanden bin. Mein Wecker klingelte und plötzlich war sie da, die Nervosität und das Kribbeln. Heute, der Tag, an dem der eine Lebensabschnitt endet und ein neuer beginnt. Heute, der Tag an dem wir graduiert und ernannt werden. Mit dem Wissen, dass sich unsere Leben ab dem heutigen Tag ganz schön verändert werden und dass ich so eine Euphorie deshalb empfinde.

Ich hatte, als ich mir über die Abschlussrede Gedanken gemacht habe, ungefähr 5 Entwürfe geschrieben, die alle in Richtung Rückblick des Studiums gingen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wieso ich mit den Entwürfen nicht zufrieden war und irgendwann fiel dann der Groschen: 

Ich will gar nicht über das Studium reden. Wir haben es geschafft! Mit dem heutigen Tag müssen wir nicht mehr an das Studium denken.

Wir haben es alle erlebt und wissen auch, wie sich das Klausuren schreiben in diesem Audimax hier anfühlt, das brauche ich euch also nicht mehr zu erzählen. Ich denke wir sind uns einig darüber, dass wir froh sind, jetzt einen Haken dahinter machen zu können. 

Ich könnte Stunden darüber reden was wir erlebt haben, was gut und was schlecht war. Aber ich möchte das gar nicht. Ich bin unfassbar stolz auf uns alle, dass wir dieses Studium gemeistert haben und das sollten wir auch ausgiebig feiern. Aber lasst uns nun nach vorne schauen, statt zurück. Auf all die neuen Erfahrungen und alles, was wir ab jetzt erleben dürfen. Die vielen neuen Leute, die wir kennenlernen werden und der Job an sich, in den wir jetzt erst richtig starten. All das ist so spannend und aufregend und jeder von uns geht ab jetzt seinen eigenen Weg in dieser Behörde. Uns stehen alle Türen offen und die Möglichkeiten sind so vielseitig, quasi unendlich. Egal, was ihr für Wünsche und Träume habt, strebt immer danach, sie euch zu erfüllen und ich wünsche euch allen so sehr, dass ihr auf eurem Weg, welchen auch immer ihr einschlagt, glücklich seid. Wir haben so viele Eindrücke gewinnen können und jetzt liegt es an uns, aus dem Gelernten was zu machen. Wir werden uns Tag für Tag weiterentwickeln und wie heißt es so schön „man lernt nie aus“. Seid wachsam, seid aufmerksam, nehmt alles mit was ihr könnt und erhaltet die Leidenschaft zum Job aufrecht.

Klar gibt es manches, worüber man gut und gerne mal meckern kann, das haben wir auch im Studium schon zu genüge gemacht. Aber das liegt denke ich auch irgendwo in der Natur dieser Stadt, oder des Landes… hier meckert man halt gerne. Es ist zwar nicht alles perfekt, aber sich immer von dem Gemeckere und dem Negativen mitreißen zu lassen, dass bringt uns alle nicht weiter. Lasst uns alle immer daran denken, mit welchem Gedanken wir zur Polizei gegangen sind und lasst uns versuchen, diese Leidenschaft und die Liebe zum Beruf auch weiterhin zu leben. Lasst uns ändern, was wir verändern können und akzeptieren, was wir nicht verändern können. Vieles ist auch schon im Wandel und wir dürfen uns jetzt als einen Teil davon sehen. Die Strukturveränderung als mögliche erste große Etappe, und wir mittendrin. Ich persönlich freue mich auf den neuen Wind in der Behörde denn Veränderung tut gut und wir können somit gespannt sein, was unsere Karriere und unser Lebensweg noch für Überraschungen bereithalten. Wir stehen ganz am Anfang von etwas ganz Großem. 

Vergesst neben all diesem beruflichen aber niemals, dass ihr einen Ausgleich braucht, verbringt eure Freizeit mit Dingen die euch Spaß machen, die euch Ablenken vom Arbeitsalltag und die euch Kraft tanken lassen. 

Und Irgendwie habe ich jetzt doch schon wieder viel mehr gesagt als ich wollte, dabei hatte ich mir fest vorgenommen, euch nicht zu lange zu quälen. Das wichtigste was ich sagen will, ist: Passt immer gut auf euch auf, kommt stets heil nach Hause und bleibt gesund und munter. Ich bin unfassbar glücklich, stolz und erleichtert, dass wir hier heute sitzen dürfen, als Absolventinnen und Absolventen. Die letzten drei Jahre haben wir immer zugeguckt, wie die Jahrgänge über uns graduiert wurden und heute sind wir selbst dran. Ich beglückwünsche euch bzw. uns alle von ganzem Herzen zum bestandenen Bachelor und zur Ernennung zum Kommissar bzw. zur Kommissarin. Lasst uns jetzt ins Berufsleben starten, wir haben es geschafft!

gez. Ms. Officer

Gewerkschaft – wieso, weshalb, warum?

Ich muss es nun doch heute schon posten, weil ich euch sonst alle so lang auf eure Antworten warten lassen muss.

Gewerkschaften – Podcast

Es geht um das Thema Gewerkschaft. Ich hoffe, dass ich all eure Fragen beantworten kann. Falls ihr doch noch welche habt, fragt mich gerne hier in der Kommentarfunktion oder meldet euch bei Instagram bei mir und ich werde sie euch noch beantworten.

Der Schritt in eine neue Richtung

Wofür ist eine Gewerkschaft gut und wieso sollte ich überhaupt Mitglied werden?
Die Gewerkschaften sind gerade für Beamte unfassbar wichtig. Man kann als Beamter nicht einfach zu seinem Chef gehen und für seine Arbeit mehr Geld verlangen. Es ist nicht wie in der freien Wirtschaft wo man sich die Arbeitsbedingungen selbst gestalten kann (überspitzt gesagt). Es gibt eine Führungsebene, die viele Dinge entscheidet. Um da das Wohl der Mitarbeiter bestens zu Vertreten, sind Gewerkschaften da. Durch den Mitgliedsbeitrag finanziert man also quasi die Menschen, die sich jeden Tag abarbeiten und für die Rechte, eine gute Bezahlung, eine bessere Ausrüstung und vieles mehr kämpfen – also alles versuchen, damit es uns gut geht.
Neben diesen ideellen Gründen gibt es aber natürlich auch noch viele andere Dinge, die für eine Gewerkschaft sprechen. Vor allem die Leistungen, die von den Kooperationspartnern der Gewerkschaften geboten werden, sind von großem Vorteil. Viele Sportangebote werden so für Beamtinnen und Beamte günstiger, was ich für super sinnvoll halte. Dazu hat man gleichzeitig eine Rechtsschutzversicherung, die für alle dienstlichen Belange einspringt. Und DAS war der Punkt, der für mich mit am wichtigsten war und wieso ich von Anfang an einer Gewerkschaft angehören wollte: denn gerade als Anwärter ist man eben von Seiten der Behörde noch sehr “angreifbar”. Auch im Praktikum, wenn eine Maßnahme mal zur Anzeige führt oder ähnliches, ist es unabdingbar, eine Berufsrechtsschutzversicherung zu haben. Durch die Nähe zur Polizei haben die Anwälte der Gewerkschaft eben auch das nötige Know-how, dass bei solch speziellen Fällen von Nöten ist. Auch Versicherungen können günstiger abgeschlossen werden und viele viele andere Vorteile.

Nun ist die Frage, für welche Gewerkschaft man sich entscheidet. Ich habe hierzu eine klare Meinung: jede Gewerkschaft hat seine Vor- und Nachteile. Jeder muss für sich das richtige finden. Dafür gibt es überall, gerade für die Anwärterinnen und Anwärter immer Informationsstände, die genau dafür gedacht sind. Geht hin, informiert euch und guckt, was euch mehr zusagt. Wo sprechen euch die Leute und die Leistungen mehr an – und entscheidet einfach nach Gefühl. Ich war lange Zeit in einer Gewerkschaft, die mich lange Zeit unterstützt hat und durch die ich viele Ämter besetzen konnte – dafür bin ich unglaublich dankbar. Es gibt auch keine negativen Dinge, die vorgefallen sind oder ähnliches. Es ist eine gute Gewerkschaft – nach wie vor. Ich habe nur entschieden, mal einen anderen Weg einzuschlagen, da ich seit einiger Zeit engen Kontakt zur DPolG und vor allem zur Jungen Polizei gepflegt habe und mich nach und nach dort besser integriert gefühlt habe – was aber natürlich hauptsächlich an meinen eigenen Interessen und meinem Engagement liegt. Ich möchte hier nun gerne neu starten und sehen, was für mich möglich ist. Egal, für welche Gewerkschaft man sich entscheidet: Hauptsache eine! Denn die Gewerkschaften setzen sich Tag ein, Tag aus für unsere Rechte ein und sorgen für Verbesserung. Auch wenn es von außen manchmal nach nur kleinen Verbesserungen aussieht, steckt dahinter sehr viel Arbeit von motivierten Gewerkschaftlern, die viel Herzblut in die Sache stecken – und das muss weitergeführt werden, da es sonst für uns schlecht aussieht. Ohne Gewerkschaften sähen wir ziemlich blöd aus.

Und wieso noch? Weil ich gerne aktiv bin. Ich bin ein Mensch der ab und zu gerne mal meckert (ich arbeite dran ;)) – ABER – ich mag es nicht, wenn man meckert, aber nichts ändern will. Und genau deshalb bin ich in einer Gewerkschaft und möchte nicht nur Mitglied sein, sondern vielleicht auch irgendwann aktiv am Geschehen mitwirken. Dabei lernt man unglaublich viele und tolle Menschen kennen, man kann sich engagieren, Dinge verändern und somit den Polizistinnen und Polizisten zwar mit kleinen Schritte aber immer bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Auch um Themen wie die Ausbildung – die mir sehr am Herzen liegt, weil ich es gerade selbst hinter mir habe und mir manches anders gewünscht habe – kümmert sich die Gewerkschaft und ich möchte dort sehr gerne ein Teil von werden.

Was ich nur schwierig finde – und davon möchte ich mich hier klar und deutlich distanzieren: ich verstehe nicht, wieso sich zwei große Gewerkschaften immer so anfeinden müssen – ich nenne jetzt hier absichtlich keine Namen mehr. Ja natürlich ist jede Gewerkschaft sein eigenes Konstrukt, aber im Prinzip steht man für die gleiche Sache und deshalb ist keine Gewerkschaft schlechter oder besser als die andere. Dieses “gegeneinander”-sein, ist etwas, dass ich absolut nicht nachvollziehen kann und egal was für einer Gewerkschaft ich jetzt angehöre – ich habe beide erlebt, ich mag beide und ich will definitiv über niemanden schlecht reden – ich möchte mich eher dafür einsetzen, dass die Gewerkschaften wieder mehr auf sich zugehen. Denn zusammen erreicht man deutlich mehr und das gefällt mir.

Mal sehen wohin mich mein Weg führt und ob ich mal ein Amt in der Gewerkschaft einnehmen will/kann/darf. Das sind alles Zukunftsgedanken – erst einmal klein anfangen und mich in der Gewerkschaft umsehen. Erstmal also “nur” als motiviertes Mitglied.

Ich finde Gewerkschaftsarbeit sehr wichtig und gut – auch sollte es weniger als Kampf gegen die Führungsebene gesehen werden – ich sehe das nämlich absolut nicht so. Für mich ist es einfach nur eine Chance und – so wie man jemandem begegnet, so kommt es meist auch zurück. Deshalb will ich meine Stimme nutzen, um wieder mehr Positive Bewegung in das ganze Thema zu bringen.

Ihr seid interessiert – das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft! Seid weiter so interessiert! Falls es noch unbeantwortete Fragen gibt: Immer her damit 🙂

gez. Ms. Officer

Verrate ich, wer ich bin?

Endlich schaffe ich es wieder. Einen Blogpost zu schreiben. Die Lust ist wieder da und die Gedanken wollen wieder raus. Weil ich vermehrt etwas gefragt werde. Oft, sehr oft in letzter Zeit:

Wieso sagst du nicht, wer du bist? Wann sehen wir dein Gesicht?

Podcast zum Blog
“Immer diese Bilder mit abgeschnittenem Gesicht” – “Wieso machst du das?” – Weil es meine Entscheidung ist.

Dafür muss ich ganz von vorne Anfangen. Der Account, auf Instagram, er dient als Tagebuch. Für mich. Ich hatte diese ganze Instagram und Blog – Idee, um meine eigenen Gedanken und meine eigene Entwicklung nachvollziehen zu können. Außerdem finde ich, dass die sozialen Medien eine wundervolle Plattform darstellen, die die Menschen nutzen können, um sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Es gibt so viele verschiedene Arten, Instagram zu nutzen. Es gibt die Blogger, die über Reisen berichten, die schönsten Orte der Welt zeigen und man darin Inspiration für die nächste Reise findet. Es gibt die Influencer, die Werbung für die Sportklamotten oder Nahrungsergänzungsmittel machen. Es gibt Fashionistas, die die neusten Modetrends an den Mann/an die Frau bringen und es gibt politisch orientierte Seiten, die eine gewisse Nachricht vermitteln wollen. Alle sind komplett unterschiedlich und dennoch haben alle eins gemeinsam:

Instagram wird genutzt, um Menschen zu erreichen und eine gewisse Botschaft zu verbreiten. Sei es, um Geld zu verdienen, eine Meinung zu vertreten oder einfach nur den Spaß am Leben und an Instagram. Wir teilen unser Leben in den sozialen Medien – manche mehr, manche weniger.

Auch ich möchte eine Botschaft verbreiten und dieses Netzwerk nutzen, um etwas zu sagen – laut und deutlich. Ich möchte mein Leben als Polizistin teilen. Alles was ich erlebe und ja, dazu gehören auch private Sachen. Denn in meiner Welt kann ich privates und berufliches in diesem Tagebuch nicht trennen, da ich privat einfach auch sehr viel mache, was mich im Job weiterbringt. Ich möchte auch dazu motivieren, Sport zu machen und gerade den Anwärterinnen/Anwärtern bzw. auch den Bewerberinnen und Bewerbern auf den Weg geben, dass Sport wichtig ist, um diesen Job und die Ausbildung erfolgreich zu meisten. Ich bin selbst nicht Fehlerlos und ich mache sicher in den Augen vieler nicht alles richtig, aber das möchte ich auch garnicht. Ich möchte einfach nur das mit euch teilen, was ich für richtig halte und mein Hauptziel dahinter ist: Mehr über diesen Beruf preiszugeben. Dazu gehören Dinge wie die Ausbildung und der Ablauf des Studiums, aber auch, wie es mein Privatleben beeinflusst. Mädchen fragen mich, wie es mit meinen Fingernägeln aussieht, ob ich die im Dienst fragen kann. Andere fragen mich wie ich den Schichtdienst mit dem Privatleben unter einen Hut bekommen werde. Und genau darüber will ich berichten. Was zieht dieser Job mit sich. Was ist gut, was ist schlecht. Muss ich mich selbst einschränken/verändern wenn ich diesen Job machen will?

Es sind die Sachen, die sonst oft hinten runter fallen, über die ich reden möchte. Die “normalen” Sachen für jeden Polizeibeamten – die Sachen, die aber für externe nicht so “normal” sind. Ich möchte meine Erlebnisse teilen und somit auch verarbeiten.

Aber worauf möchte ich hinaus? Ich möchte darauf hinaus, dass ich schon so viel privates von mir zeige. Ihr seht meinen Alltag, wo ich zum Sport gehe, was ich manchmal in der Freizeit so mache. Ich spreche zu euch, d.h. ihr kennt meine Stimme. Wieso zeige ich da nicht einfach nicht auch mein Gesicht?

Ganz einfach: Weil es für das Überbringen meiner Botschaft nicht nötig ist. Es gibt so viel Hass auf dieser Welt und sowohl intern, als auch extern, wird es immer Menschen geben, die einem nichts Gutes wollen. Ich frage mich immer noch, ob ich nicht einfach mein Gesicht zeigen soll, weil ehrlich gesagt: es ist einfach nur anstrengend und nervig immer drauf zu achten, dass mein Gesicht nicht zu sehen ist. Aber ich will darüber nachdenken. Ganz in Ruhe. Denn habe ich einmal mein Gesicht gezeigt, so kann man das nicht mehr rückgängig machen. Ich will Menschen fragen die wissen, was intern für Folgen auf mich zukommen könnten (obwohl ich das nicht verstehe, da ich ja der Polizei keinesfalls in den Rücken fallen will – wieso auch – sondern einfach nur über mein Leben sprechen möchte) und auch, ob es extern mehr Angriffe auf meine Person geben könnte, wenn ich dem Gegner der Polizei mein Gesicht auf Instagram präsentiere. Ich werde mir noch meine Gedanken machen, weil ihr euch es wünscht. ABER: es ist eigentlich nicht wichtig für das, was ich euch sagen will.

Allerdings verstehe ich auch euer Argument wenn ihr sagt, dass das Gesicht das Tagebuch erst noch einmal richtig lebendig macht und das Ganze eben noch mehr mit Leben füllt. Ich sage, dass hinter jeder Uniform auch nur ein Mensch steckt aber bin aus Vorsicht der Meinung, dass mein Gesicht dafür nicht unbedingt relevant ist. Dennoch verstehe ich eure Argumente und ich werde darüber nachdenken. Aber ich teile auch so schon sehr viel privates. Nicht alles, denn vieles möchte ich auch für mich behalten, aber ich teile schon einiges mit euch. Das gefällt mir auch. Und während das viele nicht verstehen können und mit dem Kopf schütteln wenn ich darüber rede, freue ich mich umso mehr über die vielen schönen Nachrichten von euch, die mich so jeden Tag erreichen.

Ich muss mir nur über die Konsequenzen bewusst sein. Aber viele Details kennt ihr schon. Viel privates. Sehr viel, wenn man mal darüber nachdenkt. Viele wissen auch schon darüber Bescheid, wer ich bin. Das dürfen sie auch, denn sie kennen mich. Aber ich möchte Dinge, wie meine zukünftige Dienststelle etc. gerne erst einmal für mich behalten, um Sachen für mich abzuklären und unvoreingenommen meinen Kollegen (bzw. sie mir) begegnen können.

Das hier alles mache ich für euch und für mich. Nicht für die, denen es nicht gefällt. Mir macht Spaß was ich tue und ich liebe es, zu merken, dass es euch genauso gefällt. Ich möchte euch alles zeigen, was zum Alltag einer Polizeibeamtin gehört – und warum? Weil ich liebe was ich tue und weil es der Weg ist, mehr über den Beruf zu erfahren – für alle. Klar kann man googeln und klar findet man dann Informationen über den Beruf und die Einstellvorraussetzungen. Aber hat man dann wirklich eine Ahnung, was auf einen zukommt? Ich hatte sie nicht und habe mir immer gewünscht jemanden zu haben, der mir das alles erzählen will.

Ob mit oder ohne Gesicht: ich will es euch jetzt berichten. Und ob ihr noch erfahrt wer ich bin, das werden wir sehen. Mein erster Chef steht hinter mir, das weiß ich. Aber die Frage ist: Was passiert auf der nächsten Dienststelle. Wie sicher bin ich und meine Familie, wenn ich preisgebe wer ich bin?

Ich hoffe ihr versteht das und wollt meinen Weg trotzdem begleiten, auch wenn – erstmal – mein Gesicht mein Geheimnis bleibt.

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag!

gez. Ms. Officer

Dankbarkeit und Wertschätzung

Guten Tag ihr Lieben,

 

 
vor Kurzem habe ich bei Instagram einen Spruch gepostet:
“Mach das Richtige, auch wenn niemand zuschaut. Das nennt man Integrität”. Davon abgesehen, dass das Richtige immer Definitionssache ist, habe ich dazu erläutert, dass es wichtig ist, Dinge nicht aus dem Grund zu tun, dass man von anderen Lob und Anerkennung bekommt, sondern dass man es aus Überzeugung machen sollte. Immer. Auch wenn niemand dabei ist, der deine gute Tat loben kann.

“Dankbarkeit und Wertschätzung” weiterlesen

Polizeianwärter als “Möchtegern-Cops”?

Ein Mädchen, dass mir bei Instagram folgt, hat mich gebeten darüber zu schreiben, wie man auf der Straße mit Polizei-Hass und Angriffen aufgrund des Berufs umgeht. Darüber kann ich nichts sagen, da ich noch keine fertige Polizistin bin und diese Erfahrungen in dem Umfang bisher nicht machen konnte. 

Einige andere waren aber auch daran interessiert, wie man nicht als fertiger Polizist, sondern als Anwärter wahrgenommen wird. Auf der Straße als auch bei den Kollegen. Und dazu, liebe Freunde – dazu kann ich SEHR viel und aus aktuellen Anlässen erzählen. 

Dann beginne ich doch mal. Ich habe mal gelernt, man soll mit etwas Positiven anfangen, dann das Negative berichten und wieder mit etwas Positivem enden? Genau so werde ich es tun 😉 

Außenwirkung

Also zur Außenwirkung kann ich euch folgendes sagen: Der Bürger bekommt es meist nicht mit. Als Praktikantin habe ich mich natürlich in gewissen Situationen angemessen zurückgehalten und die erfahrenen Kollegen machen lassen. Ich habe zugeschaut und gelernt. Während das polizeiliche Gegenüber in den Maßnahmen mit den Kollegen beschäftigt ist, ist die Aufregung meist so groß, dass gar nicht bemerkt wird, dass ein Praktikant dabei ist. Zumal wenige wissen, was der Dienstgrad auf der Schulterschlaufe überhaupt bedeutet. Wenn man dann als Praktikantin aber schon gewisse Aufgaben selber machen darf, dann sollte man eben genug Selbstbewusstsein besitzen, es so rüberzubringen, als hätte man das schon hundert Mal gemacht, auch wenn es das erste Mal war. Dann bemerkt der Bürger auch nicht, dass man Praktikant ist.
Also da habe ich als Anwärterin gar keine spezifischen Erfahrungen gemacht. Ich wurde behandelt wie alle andere Kollegen auch. An alle Anwärter, die sich darüber einen Kopf machen: Keine Sorge, solang ihr selbstbewusst auftretet – was ihr in Dienstbekleidung immer tun solltet – dann gibt es hier überhaupt nichts, worüber ihr euch Gedanken machen müsst!

Der silberne Streifen auf der Schulter steht für: Polizeikommissaranwärter/-in

Die Kollegen

Ganz anders sieht es bei den eigenen Kollegen aus: Hier gibt es zwei komplett gegensätzliche Erfahrungen, die ich gemacht habe. Da ich schon eine Positive Sache mit der Außenwirkung abgedeckt habe, starte ich mit der Negativ-Erfahrung: 

Meine Negativerfahrung

Es war eins meiner Praktika, die ich im Rahmen des Studiums bei der Polizei absolvieren durfte. Es war eine Dienststelle, auf die ich mich eigentlich sehr gefreut habe. Genauer benennen werde ich sie nicht, das tut auch nichts zur Sache. Ich möchte auch vorweg sagen: Es gab hier einige wirklich tolle Kollegen, die mir auch viel gezeigt und mich so gut es ging an die Hand genommen haben. Jedoch gab es hier auch Kollegen, die ganz offensichtlich keine Praktikanten mögen. Wieso das so ist: Vermutlich schlechte Erfahrungen, ich kann es nur erahnen – ich weiß es nicht. Mir wurde von diesen Personen offenkundig mitgeteilt, dass sie keine Praktikanten mögen. Auf Nachfrage wurde mir dann berichtet, dass “Praktikanten immer so tun als seien sie schon vollwertige Polizisten und denken sie wüssten alles besser”. Gut, das kann sein, dass es solche Anwärter gibt. Aber das zu verallgemeinern fand ich ungerecht und habe ich auch so geäußert. Ich kann wieder nur von mir Reden, aber wie ihr auch schon in meinen vergangenen Posts gelesen habt, würde ich mir das Wissen eines erfahrenen Kollegen niemals anmaßen. Ich gebe im Praktikum alles, versuche mich einzubringen und mein Wissen zu erweitern. Vielen Kollegen ist dies auch aufgefallen, vor allem den Vorgesetzten, die mich am Ende benotet haben (dadurch habe ich auch die gute Note bekommen, obwohl das Praktikum in meinen Augen nicht sonderlich gut lief). Aber scheinbar gibt es auch andere Anwärter, die sich nicht so gut benehmen und für ein schlechtes Image der Anwärter sorgen. Ich konnte das noch nicht bezeugen, deshalb hoffe ich, dass es selten passiert. Ich wurde also in dem Praktikum nicht sonderlich gut aufgenommen und teilweise fühlte man sich so, als wären sie froh, wenn man wieder weg ist. Darüber habe ich mich sehr geärgert. Somit war das Praktikum keine schöne Erfahrung für mich und durch die Anti-Haltung war ich auch in gewisser Weise “eingeschüchtert” bzw. zurückhaltender. Im Nachhinein habe ich aber viel daraus mitgenommen: Ich weiß jetzt, wie ich niemals mit Praktikanten umgehen werde, wenn später mal welche mit mir Funkwagen fahren. Und wenn ich doch mal eine Praktikantenerfahrung machen sollte, wo ein Praktikant sich so verhält, wie oben beschrieben, dann werde ich das nicht allgemein auf alle Praktikanten abwälzen und prinzipiell alle als Belastung einstufen. Wie in meinem letzten Text über die Beurteilung der Lage bereits angesprochen: Jeder sollte neu bewertet werden und jeder hat demnach die Chance, ein toller Praktikant zu sein, wenn er sich gut anstellt. 
Weiterhin habe ich gelernt, freundlich aber bestimmt meine Meinung zu äußern. Als Praktikantin hat man sich in gewisser Weise selbstverständlich unterzuordnen. Aber wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, sage ich das. In dem Praktikum haben alle zu mir gesagt: “ach sag lieber nichts, das bringt dich nur in Schwierigkeiten”. Ich habe nicht darauf gehört. Ich habe das Gespräch gesucht und sachlich und freundlich meinen Standpunkt erklärt. Ich bin kurz auf Schock gestoßen aber ganz ehrlich: danach war Ruhe und die Person äußerte tatsächlich “cool, dass du so direkt zu mir warst, deine Argumente machen Sinn”. Eigenlob stinkt – sorry. Ich weiß, dass die Person weiterhin allen Praktikanten negativ begegnen wird, aber zumindest hatte ich für die Zeit meines Praktikums mehr oder weniger “Ruhe” – eine gute Atmosphäre entstand trotzdem nicht mehr. 

Schockierender war für mich die Resonanz zu meinem Blog und dem Instagram Profil. Ich musste mir von den eigenen Kollegen mehr negatives anhören, als von Fremden. Mal davon abgesehen, dass es mir bei Fremden leichter fällt, es auszublenden, war ich sehr traurig darüber, dass meine eigenen Kollegen, meine eigene Familie sozusagen, das offensichtlich nicht respektiert. Von einer Person, dessen Meinung ich bis zu dem Zeitpunkt sehr geschätzt habe, obwohl wir uns nur flüchtig kennen, sagte “Möchtegern-Cop” und, wie oben beschrieben “die Azubis, die immer denken sie wüssten schon alles und müssten damit auf ihrem Instagram Profil prahlen”. Das schlimmste daran ist, er hat sich nicht mal die Mühe gemacht, meinen Blogpost zu lesen, in dem ich beschreibe, dass ich GENAU DAS niemals behaupten würde und dieser Blog ein Wegbegleiter ist, um meine eigene Entwicklung zu dokumentieren und um meine Gedanken loszuwerden. Es gibt auch hier sicherlich auch einige Kollegen (Anwärter), die ihr Profil für das “zur Schau stellen” nutzen – aber das ist nicht meine Angelegenheit und wie heißt es so schön: Leben und Leben lassen. 
Auch in meiner Klasse stieß ich anfangs auf viel Spott – ich will gar nicht weiter darauf eingehen, aber von den eigenen Kollegen hatte ich mir tatsächlich mehr Zuspruch und Toleranz gewünscht. Man muss es ja nicht toll finden, aber zumindest etwas mehr Rückhalt wäre schön gewesen.

Meine Positiverfahrung (eine von vielen)

Dann gibt es da aber auch noch die andere Seite. Die Seite der Familie, die ich liebe. Die Kollegen, die einen Unterstützen und einem sagen, dass sie meine Worte verstehen und mich nachvollziehen können. Ein erfahrener Kollege hat meinen Text über “die ersten Tage” gelesen. Er hat mir danach geschrieben wie schön es ist, sich durch meine Texte an die Zeit zurück zu erinnern. Viele wünschen einem ganz viel Erfolg und motivieren einen, weiter zu machen. 

Und mal ganz weg von dem Instagram und Blog Thema: Meine beste Erfahrung was das andere Praktikum, dass ich machen durfte. Eine andere Dienststelle und: WOW. Bereits am allerersten Tag wurde ich ins Team aufgenommen. Klar war alles fremd und aufregend und bei gewissen Dingen hab ich mich vielleicht etwas blöd (unwissend) angestellt. Aber ich war integriert. Durch die Zugehörigkeit im Team, bin ich richtig aufgeblüht und habe Sachen und Aufgaben übernommen, bei denen ich weit über meine Grenzen hinaus gehen musste. Und wieso? Weil ich Leute hatte, die mir den Rücken gestärkt haben. Ich wusste, hier halten sie was von mir, sie wollen mich fördern und sind da, falls doch was schief geht. Ich wusste, hier lässt mich niemand auflaufen und hier will auch niemand die Praktikantin scheitern sehen. Wir haben gemeinsam gearbeitet, ich wurde in das Freizeitprogramm (nach Feierabend noch ein Bier trinken gehen) eingebunden und ein riesiges Abschiedsfrühstück wurde auch organisiert. Mir wurde Verantwortung übertragen und ich konnte zeigen, was in mir steckt. Ich habe mich pudelwohl gefühlt und solche Sätze wie “die Praktikanten sind der Nachwuchs” haben mich extrem glücklich gemacht. Denn genau so ist es. Anwärter sind nun mal der Nachwuchs und je mehr sie in die Familie hineinwachsen, umso besser wird auch der Halt innerhalb der Familie. Wo sonst sollen wir lernen wie es geht, wenn nicht im Praktikum? Am Ende des Praktikums hat sogar das ganze Team mit mir ein Foto gemacht und es hängt jetzt in deren Sozialraum – wisst ihr wie stolz ich war? Ich gehörte dazu. Man freute sich, dass ich dort mein Praktikum absolvierte. Klingt total affig aber ich hab mich gefühlt wie ein Teil von “ihnen” – den richtigen Polizisten. Dadurch, dass ich so gut aufgenommen wurde, habe ich natürlich auch viel mehr gelernt, als wenn man eingeschüchtert und ausgegrenzt “in der Ecke hockt” (überspitzt gesagt). Hier habe ich gelernt, wie ich später den Praktikanten begegnen will.

Jeder sollte die Chance haben, sich zu beweisen. Manche werden es schaffen, manche werden es vielleicht nicht so gut machen. Im Nachhinein kann man immer sagen “der war gut, der war schlecht” aber ich finde man sollte niemals von vornherein alle Praktikanten über einen Kamm scheren. Jeder sollte von Null an eine Chance bekomme, ohne Vorurteile. Es ist bestimmt anstrengend, jeden Monat einen anderen Praktikanten zu haben, aber dennoch: Wir haben alle mal so angefangen. Und daran sollte man denken.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass mir bewusst ist, dass ich nicht das Wissen eines älteren Kollegen habe und auch, dass ich noch keine “vollwertige” Polizistin bin. (Ich weiß, ich wiederhole mich, aber habe manchmal das Gefühl ich muss mich immer noch rechtfertigen – sorry dafür!) Dennoch wurde und wird mir das unterstellt und das sind negative Erfahrungen, die ich machen musste. Aber auch durch diese Erfahrungen lernt man und vor allem wächst man daran. Ich habe viel mitgenommen – aus beiden Situationen und weiß jetzt, wie ich es später mal machen werde. Und zum Glück überwiegen die Positiven Erfahrungen deutlich, weshalb ich getrost sagen kann: bis auf einige Ausnahmen wurde ich als Praktikantin bei der Polizei gut aufgenommen und ich habe die Dienste so sehr genossen, dass ich mich unfassbar doll drauf freue, endlich richtig Arbeiten zu dürfen. 

gez. Ms. Officer


p.s.: auch wenn es hier nach 50/50 positive und negative Erfahrungen aussieht: das ist nur der Gegenüberstellung geschuldet. Der Großteil der Kollegen steht definitiv hinter einem und beweist: Man ist eine große Polizeifamilie. 

“Es ist doch eh immer das Gleiche” – ist es das?

Ich habe euch vor einigen Tagen in einem Post gefragt, was ihr als unabdingbare Eigenschaft/Charakterzüge/Talente haltet, die ein guter Polizist/Ermittlungsbeamte haben muss. Ja, ich wollte auf etwas bestimmtes hinaus.

Viele richtige Antworten waren dabei. Einige davon seht ihr hier:
– Soziale Kompetenz
– Fitness
– Autorität
– Menschlicheit
– Respektvollen Umgang mit Menschen
– Authentizität
– Konzentration
– Leidenschaft für den Beruf
– Teamfähigkeit
– Belastbarkeit

Keine Frage, es gibt nicht die eine Sache, die ein Polizist können/wissen/tun muss. All das oben genannte ist wichtig. Aber ich will mit euch über etwas bestimmtes sprechen. Eine Sache, die einem von Anfang an im Studium beigebracht wird, hinter der aber in meinen Augen viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick erkennt.

Wie ich darauf gekommen bin? Durch aktuelle Situationen im Privatleben, bei denen mir einfach bewusst geworden ist, wie sehr ich diesen Grundsatz doch mag und wie richtig und wichtig er ist – im Job, wie auch im Privatleben.

Also… Worauf wollte ich hinaus. Was ist etwas sehr wichtiges für einen Polizisten?
Die Beurteilung der Lage.

Das klingt so einfach. Ich fragt euch sicher: Gut, und was will sie damit jetzt tolles anfangen? Ja, das habe ich mich anfangs auch gefragt, bzw. habe ich mich gefragt wie ich euch das mitteile. Und deshalb muss ich es anhand von Beispielen machen, denn nur so wird die Wichtigkeit dieser Sache deutlich – denke ich. Hoffe ich.
Man beginnt das Studium und so ziemlich in der ersten Stunde Einsatzlehre (das Fach, das in meinen Augen am nächsten an der Praxis dran ist) lernt man, was die Beurteilung der Lage bedeutet. Die genaue Definition und was es konkret in der Einsatzlehre bedeutet darf ich euch leider nicht sagen, da es Verschlusssache ist. Aber wir können uns alle darunter etwas vorstellen. Und genau darauf will ich hinaus. Auf die eigene Definition. Viele Antworten, die ich auf meine Frage im Post bekommen habe, lauteten “Neutralität” oder “nicht in eine Routine rutschen”. Und das trifft es schon ziemlich gut.
Die Beurteilung der Lage bedeutet, dass man Einschätzungen und Gedanken zu einer bestimmten Situation in seinem Kopf hat.

Ein Beispiel aus dem Leben: Wir beurteilen die Lage jeden Tag. Und das nicht nur einmal. Wir beurteilen die Lage tausende von Malen jeden Tag. Wie und wann fragt ihr euch? Es beginnt schon nach dem Aufstehen. Ihr fragt euch: “Was ziehe ich heute an?” Dafür müsst ihr die Lage beurteilen in dem ihr euch fragt, was ihr heute vor habt, wie ihr dafür angezogen sein wollt, aber auch wie das Wetter heute ist und ob man deshalb die dicke Jacke braucht oder ob eine Strickjacke vielleicht reichen könnte. Das ist eine Beurteilung der Lage. Wenn ihr euch Essen macht, beurteilt ihr, auf was und wie viel Hunger ihr habt. Wenn ihr euch mit Freunden verabredet beurteilt ihr die Lage dahingehend, was ihr machen wollt, wie viel Zeit ihr habt und auch hier wieder: das Wetter.
Jeden Tag also, hat man tausende von Situationen, in denen man – ganz automatisch – eine Beurteilung der Lage durchführt. Und worauf ich hinaus will: diese automatische Beurteilung der Lage sollte man viel aktiver und bewusster machen – vor allem als Polizeibeamter.

Ein Beispiel aus dem Berufsleben: Wir stellen uns vor, du und dein Streifenpartner sitzen zusammen im Funkwagen. Es kommt der Einsatz “Verkehrsunfall – nur Blech”. Ihr fahrt ran, ohne Eile (also ohne Sonder- und Wegerechte).
Die Beurteilung der Lage könnte jetzt auf zwei Weisen ablaufen:
– Kurz und unbewusst: Man erwartet vielleicht zwei Fahrzeuge, die ein paar Schrammen haben, aber nichts großartiges und stellt sich schon auf das Schreiben ein, dass bei der Aufnahme des Verkehrsunfalls nun mal ansteht. Du hast heute einen schlechten Tag. Hast schlecht geschlafen und hast Streit mit deiner Partnerin/deinem Partner – bist also nicht ganz auf der Höhe heute. Du und dein Streifenpartner seit Schweigsam auf der Anfahrt weil keiner sich großartig Gedanken macht und beide einen “einfachen VU” erwarten.
– Ausführlich und bewusst: Du und dein Streifenpartner redet miteinander – ihr tauscht euch aus. Wie es euch geht und was ihr denkt. Du äußerst auch, dass es dir heute nicht so gut geht und du deswegen ihm das Reden überlassen würdest. Dein Streifenpartner äußert sein Verständnis und weiß nun, dass er noch aufmerksamer sein muss als sonst. Er fängt auch an zu erzählen, dass er letztens erst wieder einen Verkehrsunfall hatte, bei dem es zu einem Widerstand durch einen alkoholisierten Fahrer mitten am Tag gekommen sei. Außerdem sprecht ihr über die Örtlichkeit und dass es dort eventuell viele Schaulustige geben könnte. Ihr seid nun beide aufmerksam. Dein Kollege hat durch seine Geschichte daran erinnert, dass es nicht immer ganz einfach ablaufen muss und du hast ihn vorgewarnt, dass du heute einen schlechten Tag hast.

Stellt euch diese Situation vor. Ihr kommt also nun am Einsatzort an, es kommt zu einer Auseinandersetzung, weil der Unfallverursacher keinen Führerschein hat und vom Unfallort flüchten möchte. Welches Streifenteam meint ihr, wäre besser vorbereitet?
Ein einfaches Beispiel, aber ich denke es bringt auf den Punkt was ich sagen will.

Ich rede hier absolut nicht von Erfahrungswerten. Erfahrungen sind verdammt wichtig in Einsätzen und sollen natürlich auch in die im Kopf ablaufende Beurteilung der Lage einfließen. Was ich aber wichtig finde ist: sich niemals von den äußeren erkennbaren Umständen blenden lassen. Was anfangs nach einem einfachen Verkehrsunfall aussehen mag, kann sich auch als große Herausforderung herausstellen. Es gibt VUs, die in Widerständen enden. Es gibt polizeifeindliche Bürger, die euch bei der Aufnahme des VUs mit einem Messer bedrohen können. Es gibt Schaulustige die eure Arbeiten erschweren, euch anpöbeln und den Konflikt suchen. Und das sind nur drei kleine Beispiele von unendlich vielen. Es kann immer viel schlimmer kommen als man denkt und es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Deshalb wird auch nicht nur eine einzige Beurteilung der Lage durchgeführt. Sondern immer und immer wieder. Sobald neue Informationen dazu kommen, wird die alte Beurteilung aktualisiert. Man macht sich also Gedanken, wenn man zum Ort fährt – alles Spekulationen, weil man noch gar nicht weiß, wer einen dort erwartet und wie das Schadenbild aussieht. Vor Ort angekommen hat man diese Informationen und kann sein Puzzle im Kopf weiter ordnen. Die Info, dass man heute einen schlechten Tag hat, hat dein Streifenpartner nicht, außer du teilst es ihm mit. Er kann diese Information also nicht in seine Beurteilung der Lage aufnehmen, wenn du es ihm nicht sagst, wenn ihr nicht miteinander redet.
Ebenso ist es mit dem Unfallhergang. Man kommt vor Ort an und es scheint eine offensichtliche Unfallursache zu geben. Anstatt aber diese Annahme blind zu übernehmen, und somit die Lagebeurteilung als vollendet anzusehen, befragt ihr die beiden Unfallgegner. Es kommen Informationen ans Licht, die auf den ersten Blick nicht erkennbar waren. Die Beurteilung der Lage im Kopf wird aktualisiert – ganz automatisch.

Ein anderes Beispiel hierzu, dass es noch einmal mehr verdeutlicht. In meinen Abschnitts-Praktikum sind wir zu einem Einsatz “Verdacht häusliche Gewalt” gefahren. Vor Ort angekommen öffnete uns eine scheinbar am Boden zerstörte Frau die Tür. Alle gingen erst einmal davon aus, der Mann habe sie geschlagen. Als wir die Wohnung betraten setzte sie sich auf den Boden – bitterlich weinend. Sie hatte keine augenscheinlichen Verletzungen. Auf die Nachfrage, wo sich der Mann befinde, der sie geschlagen haben soll, äußerste sie, er sei abgehauen, mit dem Kind. Es lagen zerschlagene Gläser und Tassen auf dem Boden, an denen blutsuspekte Anhaftenden zu sehen waren – wie gesagt, die Frau war nicht verletzt. Als wir die Frau über ihre Möglichkeiten aufklärten, hörten wir ein Kind in einem Zimmer weinen. Die Tür war verschlossen. Nach kurzem Klopfen und dem Hinweis, man solle sofort die Tür öffnen, kam uns ein kleiner Junge entgegen. Ich schätze Grundschulalter. Dicht gefolgt hinter ihm, mit der schützenden Hand auf dem Kopf des Jungen, kam ein Mann aus dem Raum. Er blutete am Kopf und am Arm. Nach weiteren Ermittlungen kam dann raus, dass nicht die Frau geschlagen wurde, sondern die Frau ihren Mann schlug und sie ihn mit den Gläsern beworfen hatte. Was also für uns alle am Anfang glasklar erschien, wurde nach unseren Ermittlungen komplett über den Haufen geschmissen, weil es sich als absolut falsch herausstellte. Nur, weil etwas für uns “offensichtlich” erscheint, muss das noch lange nicht heißen, dass es wirklich so ist.

Ein Polizeibeamter muss also in meinen Augen eine ständige Beurteilung der Lage durchführen, ohne sich davon von “so war es bisher immer” leiten zu lassen. Jede Situation ist eine Neue und kann ganz anders verlaufen als die 100 ähnlichen Situationen davor. Deshalb empfinde ich es als eine der wichtigsten Dinge als Polizeibeamter, alle möglichen Informationen in eine anfangs neutrale Beurteilung der Lage einfließen zu lassen und so viel wie möglich nachzufragen und zu “ermitteln”. Dazu gehört wie gesagt auch, wie es deinem Partner heute geht und wie ihr als Team funktioniert. Jeden. Tag. Neu.

Und genauso ist es doch im echten Leben oder? Wenn ihr eurer Mitbewohnerin, eurem Partner oder euren Eltern nicht mitteilt, dass es euch nicht gut geht – woher sollen sie das wissen? Wenn ihr einer fremden Person begegnet, erste Gespräche führt usw., dann bildet ihr euch einen ersten Eindruck. Aber fragen wir immer nach wieso jemand etwas macht? Nein leider nicht. Und ich finde genau diese “Beurteilung der Lage” sollte man auch in sein Privatleben mitnehmen. Denn es ist gold wert. Man lernt, Menschen nicht zu verallgemeinern. Man lernt, dass der erste Eindruck manchmal täuschen kann. Man lernt, dass Kommunikation der Schlüssel zu allem ist und man lernt, sich von der Vergangenheit nicht mehr Bestimmen zu lassen. Es macht das Leben so viel leichter. Eure beste Freundin hat etwas komisches geäußert, was du nicht verstehst? Frag nach, wie sie das meinte, bevor du Rückschlüsse ziehst, die falsch und aus der Luft gegriffen sind und sich ein Streit entwickelt. Man geht Missverständnissen aus dem Weg und kann dem Gegenüber vielleicht sogar beibringen, von sich aus die Gründe für ein Verhalten zu nennen, wenn es merkt, dass man so Konflikten aus dem Weg gehen kann und dir somit bei der Beurteilung der Lage, also der Situation helfen kann.

Ich hoffe, man hat verstanden, was ich sagen wollte. Im Einsatz wie im Privatleben. Denkt euch nicht euren Teil und geht davon aus, dass eure erste Einschätzung die richtige ist. Seit flexibel in eurer Denkweise und denkt auch mal um die Ecke. Das muss ein Polizeibeamter können und ich denke, das ist verdammt wichtig! Aber auch im Privatleben kann sich – durch Offenheit und eine gewisse Neutralität vielen Dingen gegenüber – die Beurteilung der Lage als großes Werkzeug für ein verständnisvolles und positives Miteinander auswirken. Deshalb habe ich für mich bemerkt, dass ich diese, aus der Einsatzlehre übernommene, Vorgehensweise auch in mein Privatleben übernehmen will. Man beißt sich nicht an Gedanken fest und lernt, Menschen offener gegenüber zu treten. Manchmal nämlich, neigt man dazu, sich in negatives reinzusteigern, weil man einmal enttäuscht wurde – die Beurteilung der Lage, bei jeder Situation neu und von Anfang an, hilft dagegen. Manchmal neigt man auch dazu, etwas zu positiv zu sehen “weil es ja immer gut funktioniert hat”, und wird dann enttäuscht – die Beurteilung der Lage, bei jeder Situation neu und von Anfang an, hilft dagegen. Privat und im Job.

Die Persönlichkeitsentwicklung ist ein nie endender Prozess. Obwohl ich weiß, wie wichtig und toll dieses Instrument ist, vergesse ich manchmal, es anzuwenden. Ich arbeite daran, es so oft es geht anzuwenden und zu beachten. Im Job will ich das auch tun.
Nur gibt es da zwei Herangehensweisen. Während ich im Privatleben versuchen will, alles positiver zu sehen und mich von schlechten Erfahrungen nicht “einschüchtern” zu lassen, bin ich im Job eher darauf aus “mehr auf der Hut zu sein” – man könnte sagen, immer vom schlimmsten auszugehen. Während ich im Privatleben an das Gute im Menschen glauben will, muss man im Job immer auf das Schlimmste “vorbereitet” sein, keine Routine entwickeln. Nur weil 30 VUs ruhig waren, heißt das nicht, dass der 31. auch ruhig verlaufen muss. Nur weil 10 Mal meine erste Einschätzung über den Tathergang stimmten, muss das beim 11. Mal nicht auch so sein.

Die Beurteilung der Lage. Ein endloser Prozess im eigenen Kopf, der gold wert ist. Der Titel dieses Textes ist also zu 100% falsch und ein Satz, den ein Polizeibeamter über seinen Job niemals sagen kann.

gez. Ms. Officer

Das Studium gPvD – 4.-6. Semester

Ich habe euch etwas ganz wichtiges vorenthalten, weil ich es vergessen habe! Das Fahrsicherheitstraining! Das findet im Praxissemester des 3. Semesters statt und macht echt richtig viel Spaß ! Der Fahrtweg dahin (es ist sehr weit südlich Berlins) ist zwar die Hölle, aber die Tage dort sind so unfassbar witzig und man lernt wirklich sehr viel auch über sein eigenes Fahrverhalten!

So und nun wie versprochen zum Ende des 4. Semesters und das was dann folgt. Die Klausuren im 4. Semester fordern viel Energie. Bei der letzten Klausur verlässt man die Uni mit dem absolut besten Gefühl überhaupt. Ein ganzes Jahr keine Klausuren und ein halbes Jahr keine Uni. Zugegeben, ich mochte die Uni in Lichtenberg nie: zu weit weg und ein Prachtexemplar an Uni ist sie nun auch nicht 😉 deshalb umso schöner zu wissen, dass ich ein halbes Jahr nicht jeden Tag die Reise nach Lichtenberg antreten muss. Das Gefühl ist der Wahnsinn. 

Dann beginnt der 4. Praxisteil. Übergangslos geht dieser in das 5. Semester über. Ein reines “fachpraktisches” Semester (und in meinen Augen das tollste Semester). Man hat trotzdem sehr viel Theorie in einigen Lehrgängen, aber alles findet innerhalb der Polizeiakademie in Spandau (oder auf der jeweiligen Praktikumsdienststelle) statt und hat einen sehr großen praktischen Anteil. Man hat hier Lehrgänge wie den Verkehrspostenlehrgang – das ist der Lehrgang, den man braucht, um eine Kreuzung mit ausgefallener Lichtzeichenanlage (Ampel) regeln zu dürfen. Der VU-Lehrgang, wo man lernt, wie man einen Verkehrsunfall aufnimmt, ist essenziell für das darauf folgende Praktikum. Im 5. Semester ist man nämlich (kann hier nur noch von den Schupos sprechen) 6 Wochen auf dem Abschnitt und 6 Wochen auf einer Einsatzhundertschaft und erlebt dort den täglichen Dienst. Hier heißt es: viel lernen, viel von sich zeigen und viel machen! Freiwillige Vorträge oder Einsätze sind immer sehr willkommen und unterstützen den Chef dabei, eine angemessene Bewertung schreiben zu können, denn: beide Praktika sind bewertet und mir persönlich war es auch wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ausführlich zu den Praktika und meinen Erlebnissen dort, werde ich aber wohl noch einen weiteren Blogpost schreiben. Hier soll es ja nur ein grober Überblick für euch sein, an dem man sich bei Interesse am Studium mal schlau lesen kann.
Allgemein kann ich aber sagen, dass die Praktika unfassbar lehrreich und eine wahnsinnig tolle Zeit waren.
p.s.: Es wird schwer sein, danach wieder an die Uni zu gehen und die Schulbank zu drücken. Man will raus, Arbeiten – die Welt retten 😀 

Neben den o.g. Lehrgängen und Praktika hat man dann noch ein sehr langes Seminar. Dieses geht 8 Wochen und nennt sich Einsatz- und Führungsseminar. Als Gruppe oder Zug werden von immer anderen Verantwortlichen Einsätze geplant und dann auch tatsächlich durchgeführt. Dabei holen wir uns Einsätze von anderen Dienststellen, die z.B. an eine Hundertschaft gegeben werden sollten und planen sie so durch, wie man es als Zugführer im echten Leben (möglicherweise macht der es etwas besser und professioneller :P) auch machen würde. Zumindest geben wir uns Mühe. Die durchgeführten Einsätze können sich über kleinere Verkehrssonderkontrollen bis hin zu Durchsuchungen oder sonstigen Maßnahmen strecken. Es ist uns quasi freigestellt und wir können uns mal ausprobieren und erste praktische Erfahrungen sammeln. Man wächst als Team zusammen und der Lehrgang ist ein wichtiger Inhalt des Fachpraktischen Teils. Auch hier erhält man eine Note.
Ich hatte anschließend noch das Abschlussschießen. Das haben die meisten Klassen erst im 6. Semester, aber da es bei meiner Klasse termintechnisch nicht anders gepasst hat, durften wir es schon im 5. Semester machen. Das hat super viel Spaß gemacht. Wir hatten verschiedene Übungen, die wir schießen und bestehen mussten, um unsere Waffenträgereigenschaft weiterhin zu behalten bzw. zu erlangen. Uns wird dabei auch beigebracht, wie wir z.B. einhändig schießen, wie man schießt, wenn man gleichzeitig eine Taschenlampe in der Hand hält und auch, wie man Störungen an der Waffe beseitigt, wenn man nur eine Hand frei hat. Beidhändig lernt man das ja schon in den normalen Lehrgängen und im Abschlusslehrgang wird es dann eben etwas schwieriger und man kann sich nochmal austesten und seine Fähigkeiten an der Waffe verbessern. Nicht nur mit unserer “normalen” Dienstwaffe – der P6 aktuell noch -, sondern auch mit der MP5 haben wir im Abschlusslehrgang nochmal geschossen.
Auch eine Art Rollenspiel, bei dem unsere rechtliche Sicherheit im Umgang mit der Waffe und dem Schusswaffengebrauch im Einsatz geprüft wird, Muss man absolvieren. Hier war ich sehr überrascht wie viel man doch über das Studium gelernt hatte. Nachdem man ein Rollenspiel mit etwas Unsicherheit (bei mir war das so) durchgespielt hatte, verflog die Aufregung und im nächsten Rollenspiel war ich dann bereits viel sicherer im Umgang und auch mit der rechtlichen Einschätzung. 
Die Waffe in der Hand zu halten ist definitiv nicht “normal”: Es ist ein ungewohntes Gefühl und man sollte nie den Respekt vor dieser Waffe verlieren. Ein gesundes Verständnis von seinen Einsatzmitteln ist im Dienst stets geboten und das wird in diesem Abschlusslehrgang nochmal sehr gut verdeutlicht. Die Regelmäßige Überprüfung der Waffenträgereigenschaft ist sehr gut und wichtig!

Einer der besonderen Lehrgänge war außerdem die Ausbildung für den geschlossenen Einsatz. Hier lernt man, was die Hundertschaften in ihrem täglichen Dienst zu leisten haben und wie sie arbeiten. Ich darf hier leider gar nichts über die Inhalte verraten aber verdammt: Dieser Lehrgang war so anstrengend. Wir sind körperlich an unsere Grenzen gekommen und darüber hinaus gegangen. Man ist sehr stark zusammengewachsen und dennoch wurde das Hierarchie Verständnis für den Gruppen- bzw. Zugführer gestärkt. Während wir an der Uni das Diskutieren und Hinterfragen lernen, ist es in Situationen im Dienst unabdingbar, auf seinen Vorgesetzten zu hören. Er weiß was er macht und es ist wichtig, seinen Anweisungen zu folgen, um den Erfolg der Maßnahmen zu sichern. Das lernt man in diesem Lehrgang. Es war hart, wir haben geschwitzt, wir waren verzweifelt und wurden zum Weitermachen animiert. Es war der WAHNSINN. Vielleicht lag es auch an den Lehrgangsleitern (die uns allerdings auch mal die Hölle heiß gemacht haben wenn jemand sein Barett vergessen hatte). Aber extra Liegestütz für Fehlverhalten zeigen eben Wirkung 😉 Am Ende des Lehrgangs waren wir alle bestens erzogen :p 

Bis es dann wieder an die Uni ging… 😉 Nach einem wohlverdienten Urlaub muss man sich dann nämlich wieder an den Theoretischen Teil gewöhnen – schwierig muss ich sagen. Es ist uns allen schwer gefallen.
Die wichtige Phase der Bachelor-Arbeit beginnt. Nachdem man im 4. Semester bereits ein Thema mit seinen Wunsch-Korrektoren eingereicht hat und das im 5. Semester (hoffentlich) genehmigt wurde, fangen die meisten jetzt Ende des 5./ Anfang des 6. Semesters erst richtig mit dem Schreiben an. Wichtig ist, dass man sich schon vorher Gedanken macht und wirklich nicht zu spät anfängt – es soll ja schließlich die einzige Bachelor-Arbeit sein, die man schreiben muss. Deshalb ist hier Mühe geben angesagt und ein gutes Zeitmanagement. Zugegeben hat man nun bis Abgabe der BA viel frei. Ich hatte im Durchschnitt nur 3 mal die Woche Uni und den Rest der Woche konnte ich für meine Interviews und das Schreiben der BA nutzen. Sie dann zu Drucken und Binden zu lassen ist nochmal ein riesiges Glücksgefühl! Danach folgen noch zwei Vorträge mit schriftlicher Ausarbeitung (das Spiel kennt ihr bereits) und – das was ihr gerade bei Instagram bei mir verfolgen durftet: die letzten beiden Klausuren stehen an. Einsatzlehre und Verkehrslehre wollen noch geschrieben und bestanden werden. Geschrieben habe ich heute die letzte Klausur und jetzt heißt es Daumen drücken, dass auch alles bestanden worden ist!!

Und wie geht es jetzt weiter? Nach den Klausuren folgt ein 2-wöchiges Praktikum. Ich verbringe dies ab kommendem Montag bei der Berliner Feuerwehr, da es mir wichtig ist zu wissen, wie die Kollegen arbeiten, um das später im Einsatz zu verstehen und ihnen nicht im Weg zu stehen (im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ich nicht weiß wie die Feuerwehr wo, wann, wie lang muss und ich da mit meinem Funkwagen stehe … z.B.). Man kann es aber auch in einer anderen Behörde machen, bei einer Polizei in einem anderen Bundesland oder man macht eine Studienreise, wenn man genug Leute und zwei Dozenten findet, die mitfahren. Drei Studienreisen gibt es dieses Jahr bei uns: nach Barcelona, St. Petersburg und Prag – ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen viel Spaß!
Nach dem Wahlpflichtpraktikum… Tja was passiert dann? Es finden noch sechs wichtige Tage im März statt. Zwei davon sind der erste-Hilfe-Kurs. Zwei davon der Schlagstock-Lehrgang (Tonfa – Training) und der fünfte Tag ist der Tag der Verteidigung der Bachelor Arbeit. Der sechste und wohl wichtigste Tag: die Graduierung – bei mir am 29.03.2019. Und den Rest des Märzes? Vorbereitung auf den Dienst, Vorbereitung auf die Verteidigung und wenn man so motiviert ist wie ich, und sich bereit erklärt, die Abschlussrede am 29.03. bei der Ernennung/Graduierung zu halten, dann sollte man die Zeit gut nutzen, diese Vorzubereiten (ich habe einerseits Sorge, andererseits freue ich mich sehr darauf, die Abschlussrede halten zu dürfen – aber die muss gut werden :p). Einige Tage Urlaub haben wir auch noch und die Abschlussfeier im Jahrgangsrahmen steht auch noch an. Es wird also ein spaßiger März, so wie ich mir das vorstelle. Und währenddessen wartet mein ganzer Jahrgang darauf, endlich zu erfahren, wo es nach dem Studium hingeht – das ist nochmal sehr aufregend !!

So und nun ist der “kleine” Überblick auch schon fertig. Ich hoffe ich habe nichts vergessen und konnte euch das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst, wie es in Berlin abläuft, etwas näher bringen.

Alles in allem war es eine lehrreiche und größtenteils echt gute Zeit. Jeder, der den Wunsch hat, Polizistin oder Polizist in Berlin zu werden, wird es hier mega gut gefallen und neben Höhen und Tiefen (die Tiefen vergisst man übrigens kann schnell kann ich euch aus Erfahrung sagen) habt ihr eine super Zeit und kommt eurem Traum jeden Tag ein bisschen näher. Und je näher der Tag der Graduierung kommt, umso mehr weiß man zu schätzen, was man die drei Jahre alles erleben durfte. Man lernt so viele Leute kennen und eignet sich so viel Wissen und doch schon einige Erfahrungen an, das ist unfassbar. 

Falls ihr Fragen habt, meldet euch gerne! Und falls ihr jetzt das Studium beginnt und es doch etwas anders strukturiert ist: Der allgemeine Inhalt bleibt erst einmal der Gleiche. Möglicherweise wird das Studium irgendwann umstrukturiert, aber bis dahin könnt ihr meinen Erfahrungsbericht als grobe Richtung ansehen. Und jetzt: Viel Spaß beim studieren :p

gez. Ms. Officer

Das Studium gPvD – 1.-4. Semester

Vor einigen Tagen hatte ich mal in meiner Story bei Instagram gefragt, was für Themen ihr gerne angesprochen haben möchtet, in meinem nächsten Blogpost. Einige hatten sich etwas über das Studium gewünscht, manche wollten etwas über die Intensität wissen, wie es mit Urlaub und Freizeit aussieht, andere wollten Infos über Klausuren, Hausarbeiten oder Lehrgänge. 

Für alle, die bereits Polizistinnen/Polizisten sind, ist dieses Thema natürlich nicht sonderlich interessant. Aber ich denke so ein kleiner Erfahrungsbericht schadet nicht, somit kann ich die letzten drei Jahre auch noch einmal Revue passieren lassen! Mal schauen wie ausführlich ich werde und ob es in einen Post passt. Bezweifle das aber stark – ich kenne mich :p Ich hoffe ich vergesse nichts, man vergisst leider doch sehr schnell. 

Beginnen wir mit dem ersten Semester. Am 01.04.2016 begann ich das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Die erste Woche war noch etwas… wie nennt man es. Organisatorisch? Wenig Inhalt, außer bei den Rechtsfächern, da wurde sehr schnell Gas gegeben. Alle anderen Fächer waren erst einmal belegt mit Übersichten, was wird uns beigebracht, vielen vielen Vorstellungsrunden und anderen organisatorischen Dingen. Innerhalb der ersten paar Wochen gab es auch noch einen Tag, an dem eine Art “Einführung in das Studium” stattgefunden hatte. In einem Workshop sollten wir uns alle etwas besser kennenlernen und es wurden kleine Teamaufgaben vergeben, die wir am Ende präsentieren sollten.
Dann ging es mit dem Unterricht los. In meiner Klasse war im Alter von 18 bis 31 alles vertreten. Die Hälfte meiner Klasse waren komplette Polizei-Neulinge, die andere Hälfte, also etwas 15 Leute, kamen aus dem mittleren Dienst (die meisten hatten die Ausbildung begonnen und sich dann extern noch einmal neu für das Studium beworben).
Die Infos, die man dann in den Vorlesungen bekommt erscheinen maßlos und zugegeben, ich muss sagen ich war anfangs wirklich etwas überfordert. Gerade in den Rechtsfächern, bei denen die aus dem mD kommenden einfach schon viel viel versierter waren als wir “Neue”, dachte ich echt, ich werde daran scheitern. Es war so viel auf einmal und um das große Ganze zu verstehen braucht es viel Geduld und auch mal die ein oder andere “peinliche” Frage in der Klasse. Aber ich lege euch ans Herz: traut euch zu fragen, die meisten Dozenten an der Uni reagieren wirklich sofort gut auf eure Fragen und können auffassen, wo die Verständnisprobleme liegen. Das ist Gold wert, wenn ihr das Glück habt, so einen Dozenten zu haben. Ein kleines Geheimnis: Ich habe es zwar rechtzeitig zu den Klausuren immer alles verstanden, aber den Zusammenhang zur Praxis, also das “wofür lerne ich das hier eigentlich alles”, das habe ich erst im Praktikum gesehen. Also heißt es erstmal nur: durchbeißen, gut zuhören und vor allem mitschreiben, auch wenn man da im Studium leider manchmal zu Faulheit neigt. Geistig anwesend sein ist aber schon die halbe Miete, da erspart man sich sehr viel Zeit beim lernen für die Klausuren.
Im ersten Semester ist es, was die Prüfungen angeht, auch noch echt easy. Ihr schreibt lediglich eine Klausur in Soziologie und die ist absolut machbar, da braucht man sich keine Sorgen machen. Auf eine Hausarbeit in Grund- und Menschenrechte, wird man dann noch vorbereitet, die man relativ zeitig im 2. Semester abgeben muss. Ich und andere Kollegen, die vorher schon mal studiert haben, hatten hier einen kleinen Vorteil. Das zitieren und generell Verfassen von Hausarbeiten war somit schon “Gewohnheit” und fiel nicht allzu schwer, andere hatten da leider mehr Probleme.
Im ersten Semester (allerdings relativ mittig) findet auch ein ein-wöchiges Praktikum in Zivil statt – für die Schupos auf dem Abschnitt und für die Kripos bei dem Kriminaldauerdienst (K1).
Während der Uni-Phase hat man im 1. Semester noch Schwimmen. Da das in Ruhleben stattfindet bedeutet das leider, dass man zwischen Uni und Polizeiakademie pendeln muss, was auf Dauer ziemlich nervig ist. Übt fleißig für Schwimmen, auch in der Freizeit, da die Prüfung echt nicht ohne ist.

Und dann kommt schon die erste Praxisphase. Ihr habt Lehrgänge wie Verhaltenstraining und Funken, auch noch alles super überfordernd (für mich) aber rückblickend waren das echt alles sehr gute und hilfreiche Lehrgänge. Auch Waffenkunde und das Zu- und Eingriffrecht (somit auch die ersten Festnahmetechniken) und sog. Situs (Situationstrainings) werden im ersten Semester im Fachpraktischen Teil nicht an der Uni, sondern an der Polizeiakademie in Spandau durchgeführt. Außerdem macht man hier noch ein Praktikum, das zwei Wochen geht. Hier tauscht man die Rollen mit den Kripos: Kripos machen ein Praktikum auf dem Abschnitt und Schupos gehen zu K1. So lernt man auch mal die andere Sparte kennen und da man im 1. und 2. Semester noch gemischte Klassen mit Schupos und Kripos hat, kann man hier noch einmal gucken ob man die richtige Entscheidung getroffen hat. Denn man hat bis Ende des 2. Semesters die Möglichkeit, mit einem Tauschpartner die Laufbahn zu wechseln. Der Urlaub (30 Tage im Jahr) wird euch vorgegeben und ist immer in den Praxisphasen jedes Semesters zugeteilt. Erholt euch hier gut, denn:

Danach beginnt dann das 2. Semester und hier wird es deutlich anstrengender und komplizierter. Wenn ich euch eins ans Herz legen könnt: nehmt die Übungsklassen so ernst wie nur irgendwie möglich. Nach Abgabe der Hausarbeit beginnt sehr schnell die direkte Vorbereitung auf die ersten Rechtsklausuren. Man schreibt 3 Klausuren: Psychologie, Strafrecht und Strafprozessrecht. Und die haben es wirklich in sich: LERNEN!! Aber das war leider noch nicht alles, neben der Hausarbeit und den Klausuren muss man noch zwei Präsentationen halten. Eine in Polizei- und Ordnungsrecht und eine in Einsatzlehre. Bei beiden gehört zum Arbeitsauftrag eine schriftliche Ausarbeitung. Was der Dozent da erwartet ist ganz individuell und da müsst ihr immer gut aufpassen was er haben will. Bei uns waren es immer zwischen 10 und 15 Seiten Ausarbeitung, was leider vom Aufwand her nochmal fast eine Hausarbeit bedeutet. Ein ziemlich aufwändiges Semester also, hier hat man deutlich weniger Freizeit und der Sport, Partner, Familie und die Freunde müssen etwas nach hinten geschoben werden. Aber auch das geht vorbei. Parallel findet auch das erste Halbjahr ESV (einsatzbezogene Selbstverteidigung) statt. Hierzu sage ich nichts außer: es gibt Menschen die hier sehr stark kämpfen müssen und sehr viel lernen müssen um es zu bestehen, aber es ist wirklich sehr wichtig für den späteren Dienst! ^^

Nach den Klausuren dann wieder die Praxisphase mit Urlaub und Lehrgängen. Leider hier kein Praktikum. Im 2. Semester wird einem das Programm, dass die Polizei Berlin zur Anzeigenaufnahme verwendet, beigebracht. Man macht einen Fotolehrgang, einen Kurs über Cyber-Kriminalität (klingt langweilig aber ich fand den mega spannend) und noch einen etwas intensiveren Kurs, bei dem am Ende auch eine Prüfung ansteht. Hier geht es um das Vorgehen an einem Tatort – mega wichtig für die spätere Arbeit.

Im 3. Semester habt ihr dann wieder etwas mehr Freizeit und könnt durchatmen. Es wird wieder nur eine Klausur in Kriminologie geschrieben und einige (nicht alle: der Rest hat dies im 4. Semester) können schon ihre Präsentation mit schriftlichem Anteil im Fach Politikwissenschaften halten. Wenn ihr schnell seit, meldet euch da, dann habt ihr das erledigt. Einige unbewertete Vorträge können immer Mal wieder stattfinden, aber das ist auch wieder Dozenten abhängig. Wichtig im 3. Semester: nur weil ihr keine Klausuren schreibt heißt das nicht, dass es unwichtig ist. Im Gegenteil: ihr braucht alles für die Klausuren im 4. Semester die mal wieder richtige Brecher sind. Also nicht nachlassen mit der Aufmerksamkeit! Das 4. und 5. Semester teilen sich in Sport einmal Ausdauer = Laufen und Kraft = Parcours, Liegestütz und Klimmzüge. Ich empfehle euch, das schon im 1. und 2. Semester im Hinterkopf zu haben, da es so spontan nicht so viel hilft, erst im 4./5. Semester mit dem Training anzufangen.
Der Fachpraktische Teil beinhaltete dann endlich das erste Mal Schießen! Den Lehrgang fand ich besonders toll und aufregend. Vielleicht sollte ich dazu mal extra was schreiben, denn dazu kann man echt noch viel erzählen und berichten. Bei anderen Lehrgängen ist das auch immer mit den Inhalten so eine Sache. Zu viel darf man da natürlich nicht sagen.
Außerdem habt ihr nochmal vertiefendes Verhaltenstraining, Einsatztraining und Situationstraining. An alle Lehrgänge kann ich mich zugegeben gar nicht mehr erinnern – kann sein, dass ich hier was vergessen habe.

Dann kommt nochmal der letzte Oberhammer: das 4. Semester. Die, die nicht das Glück hatten, PW im 3. Semester zu halten, müssen dies nun hier tun. Streitet euch um die frühen Plätze denn man neigt dazu es nach hinten schieben wollen aber das – und das ist ein Tipp für das gesamte Studium – macht hier GAR KEINEN Sinn ! Macht alles immer so früh und zeitnah wie ihr könnt, um einen Haken dran zu machen. Je näher die Klausuren kommen, umso mehr Stress hat man eh. Dazu kommt eine Präsentation mit Ausarbeitung in einem Vertiefungsmodul, das ihr im 3. Semester frei wählen durftet. Tipp von mir hier: schnell sein. Geht sofort wenn die Kurswahl freigeschaltet wird auf euren Kurs, sonst kommt ihr nicht mehr in die guten Kurse. :p
Die Hausarbeit in Führungslehre kostet nochmal sehr viel Zeit und dann müsst ihr euch schon an das Meister-Projekt des 4. Semesters machen: Die Planübung. Das ist quasi ein ganzer Tag, den du und deine Gruppe (7-9 Leute) gestalten. Ihr haltet eine Präsentation, bzw. plant einen Einsatz, den ihr dann vor dem Gremium, das euch benotet, und der Klasse vorstellt. Sehr aufwändig und hier können echt riesige Diskussionen ausgelöst werden. Doch egal wie schwierig es wird: Denkt dran, ihr seid Kollegen und ihr wollt das alle und gemeinsam schaffen. Also arbeitet zusammen, seid ein Team und bleibt stark als eine Einheit. Dann funktioniert das Ganze auch viel besser und ihr sichert euch eine sehr gute Note. Wenn das überstanden ist, kommen noch zwei große Aufgaben auf euch zu, die nochmal sehr viel Konzentration und Durchhaltevermögen fordern! Die beiden Klausuren des 4. Semesters sind Polizei- und Ordnungsrecht, sowie Verkehrsrecht. Beide ziemlich heftig wie ich fand. Sehr viel Stoff, aber auch machbar. Ihr schafft das, ich glaub an euch :p 

So… das war nun doch ziemlich viel und irgendwie auch ziemlich trocken. Glaube mein übernächster Post wird wieder etwas… emotionaler 😛 mit Gefühlen und Gedanken und so. Aber das ist ebenfalls wichtig. Ich hab damals nirgends Erfahrungsberichte gefunden, als ich mich beworben habe. Ich wusste gar nicht so richtig, was auf mich zukommt. Deshalb und als Erinnerung für mich, was man doch schon so alles überstanden hat, schreibe ich es 🙂 

Im nächsten Post folgen dann noch die Praxisphase des 4. Semester sowie die Semester 5 und 6 + Praxisphasen. Da es die aber in sich haben und ich dazu etwas ausholen möchte, vor allem was die Praktika und die ersten Einsätze angeht, schreibe ich dazu in der nächsten Woche mehr 🙂 

gez. Ms. Officer 

Das “Tanzvideo” & der Umgang mit sozialen Medien

ein kritisches Thema. Mein erstes kritisches Thema. Heute wurde mir gesagt ich polarisiere… na dann mache ich damit doch hier gleich mal weiter 😀 

Nein Spaß beiseite (nicht ganz weg, nur beiseite). Ich möchte mit euch über ein Thema sprechen. Ein Thema, dass mich sehr beschäftigt. Persönlich natürlich, aber auch beruflich und generell auf die Zukunft bezogen. Soziale Medien. Eine Hassliebe. Sogar für mich. Soziale Medien bringen so viele Vorteile und doch auch so viele Gefahren mit sich. 

Wie ich darauf komme? Es wurde ein “Tanzvideo” geteilt, auf den Sozialen Medien, das für große Meinungsverschiedenheiten sorgt und en äußerst sensibles Thema darstellt. Und ich wiederhole: Alles was ich hier schreibe ist mein Gedankengut. Das heißt nicht, dass es richtig oder falsch ist. Jeder hat seine eigene Meinung und ich teile hier meine. Wer eine andere Meinung hat und dies trotzdem lesen will – ich würde mich sehr freuen. Vielleicht kann man so auch Ansichten und Argumente aufzeigen, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten würden. Ich versuche es einfach mal – und hoffe auf diplomatische Leser 🙂

Worum geht es ? Das Tanzvideo war ein Privates Video von Polizeischülerinnen der Polizei Sachsen – wenn ich das richtig verstanden habe und man den Medien Glauben schenken kann – immerhin muss man da kritisch sein und ich habe eben leider auch nur durch die Medien davon mitbekommen. Es ist ein Video, auf dem junge Polizeianwärterinnen zu einem Lied von Fergie ihre Stube und einige Szenen filmen. Manche sagen “schlüpfrige” Szenen – wobei man sagen muss dass die Damen da Sporthose und SportBH tragen – ich finde es süß, nicht schlüpfrig… aber da hat wohl jeder eine eigene Definition. 

Meine Meinung dazu in Kurzfassung: Ich finde das Video super. Ich hätte so Spaß daran gehabt, das mit Kolleginnen zu drehen und ich wette die Frauen im Video hatten es auch. Es strahlt positive Energie aus und den Spaß an der Vorbereitung zu einem vielleicht anstrengenden Lehrgang oder ähnliches (eine Mutmaßung, aus eigenen Erfahrungen nicht abwegig). 

Meine Meinung in der ausführlichen Variante: Denkt dran: auch Polizistinnen und Polizisten sind nur Menschen. #auchnurMensch
Das sind wahre Worte. Der Beruf des Polizisten ist ein sehr anspruchsvoller. Er erfordert viel Konzentration, immer einen klaren Kopf, man muss viel Wissen erlernen und auch anwenden können, innerhalb von Sekunden abwägen, wie sich eine Situation entwickeln könnte und wie man vorgeht. Man muss als Team funktionieren. Ob als Partner auf einem Funkwagen oder als ganze Gruppe bei den Bereitschaftspolizeien. Man muss funktionieren. Im Einsatz. Immer. Polizistin sein ist für mich persönlich nicht nur eine “coole Sache”. Ich freue mich unfassbar auf den Job. Es ist eine Leidenschaft. Eine Leidenschaft, bei der ich niemals vergessen werde, was für Risiken und Gefahren sie birgt und dass es nicht immer gut ausgehen muss. Eine Leidenschaft, die es für mich später mit Kind vielleicht sehr schwierig machen wird, meinem Kind morgens einen Kuss zu geben und einfach nur zu hoffen, dass ich abends heile nach Hause komme um es wieder in die Arme schließen zu können. Leidenschaft mit Risiken. 
ABER das bedeutet nicht, dass ich nicht Spaß an dem haben kann, was ich mache. Gewisse Situationen erfordern, dass ich 100% da bin, möglichst keine Fehler mache und die Ernsthaftigkeit der Situation erkenne um Menschenleben zu retten oder Gefahren abzuwenden. Keine Diskussion.
Aber deshalb kann ich doch trotzdem die Zeit, die ich hinter der Kulisse verbringe, genießen und Spaß haben. Ich kann mit meinen Kolleginnen und Kollegen auch mal lachen und rumalbern. Ja, weil ich auch nur ein Mensch bin, genau wie alle Kolleginnen und Kollegen.

In der Uniform hat man bestimmte Verhaltensweisen einfach zu beherrschen, ja. Sehe ich genauso. Meine Uniform drückt etwas aus und ich habe mich entsprechend zu verhalten. Ich gebe euch aber Brief und Siegel darauf, dass die Mädels aus dem Video sich dessen sehr bewusst sind. Sie wissen was die Uniform bedeutet und sie wissen sehr gut, wie sie damit umzugehen haben. Deshalb können sie sie auch mit Stolz tragen und das drückt dieses Video für mich aus. Sporthose und SportBH unter der Uniform ? Völlig normal, das trägt jeder. In meinem Sportstudio trainieren alle Mädels sogar so – es ist also nichts verwerfliches oder ? Wenn Frauen im Park so joggen gehen ist das doch auch völlig in Ordnung und alltäglich – oder sehe ich das falsch? Die Posen und Küsschen, die in dem Video auftauchen, sind offensichtlich als Spaß gemeint und ich persönlich finde es ziemlich lustig und sehr gut gelungen. 

Ebenso wichtig zu bemerken ist aber auch: es war ein PRIVATES Video. Es war nie für die Öffentlichkeit gedacht. Natürlich muss man auch da aufpassen, denn es gibt immer Lücken und scheinbar geriet es ja doch nach außen. Aber sie wollten das nicht, es war einfach nur für sich gedacht. Vorsicht Mutmaßung: Vielleicht beenden sie bald die Ausbildung, verstehen sich alle super und wollten ein Andenken für die tolle und anstrengende Zeit, die sie so verbunden hat. Jetzt ist es an die Öffentlichkeit gelangt – wer weiß wie – und es sollen möglicherweise disziplinarrechtliche Folgen auf die Mädels zukommen? Das Meinungsbild auf meiner Umfrage bei Instagram zeigt gerade, dass die meisten es so sehen wie ich, aber doch ein paar auf die andere Meinung vertreten. Das ist völlig okai, ich möchte hier nur ausdrücken, was ich dazu stehe. Ich finde es schade. Es ist mit ein Grund, wieso ich mein Gesicht nicht zeigen möchte. Man muss leider doch Konsequenzen für etwas fürchten, dass niemals böse oder negativ gemeint war. 

Soll ich euch mal ehrlich was sagen? Ich finde das ist die beste Werbung für die Polizei, die ich seit langem gesehen habe. Es ist positiv, lustig, man merkt, dass die Frauen ihren Job lieben und sie mit Stolz dabei sind. Ist das nicht was wundervolles?
Natürlich muss man mit Sozialen Medien vorsichtig umgehen. Es gibt auch immer schwarze Schafe, die in meinen Augen wirklich auch vieles “falsch” machen. Das ist aber ein anderes Thema und darüber zu urteilen ist auch nicht meine Aufgabe bzw. habe ich gar nicht das Recht dazu. Was man in Uniform machen darf und was nicht, ist klar definiert. Spaß zu haben ist allerdings nicht verboten, vor allem nicht in der Unterkunft, ohne Außenwirkung. Wir wollen doch eine Polizei, die ihren Job gerne macht oder ? Oder wollen wir nur böse, ernste Polizistinnen und Polizisten auf der Straße, die keine Menschlichkeit mehr besitzen? Es ist nur menschlich, dass auch eine Polizistin mal lacht und sich ihres Lebens erfreut. Die Idee war kreativ und nicht für die Öffentlichkeit gedacht – also finde ich es falsch, ihnen jetzt so das Leben schwer machen zu wollen.
Jedem Polizisten und auch jedem Anwärter wird beigebracht, wie man mit Social Media umzugehen hat. Jeder macht das daraus, was er für richtig hält. Aber dennoch muss man auch den Wandel der Zeit betrachten. Ich bin auch lange Zeit davor zurückgeschreckt, weil ich immer wusste, dass ein “Blog” oder generell soziale Medien nicht immer gut bei Vorgesetzten oder generell bei Kollegen ankommen. Aber es ändert sich. Wir leben nun mal im Zeitalter des Internets und ich finde man sollte die positiven Aspekte daraus ziehen. 

Natürlich birgt das auch Gefahren. Als Polizistin hat man es wirklich teilweise schwer, sich zu behaupten. Die Polizei ist nach wie vor eine Männerdomäne und es gibt oft Situationen, in denen man das als Frau vorgehalten bekommt. So ein Video, in dem angeblich “schlüpfrige” Szenen gezeigt werden, könnte das Image natürlich wieder ein stückweit ins Negative ziehen. Dieses wäre mitunter das einzige Argument, dass ich an diesem Video als kritisch empfinde. Jedoch läuft man immer die Gefahr, das irgendwer an irgendwas etwas entdeckt, dass man negativ auslegen kann. Jede PR-Aktion auch von der offiziellen Seite der Polizei hat Befürworter und Kritiker. So findet auch dieses Video wohl leider wieder den Weg zu den Leuten, die es ins lächerliche ziehen und es mit Sätzen wie “guckt mal wie heiß die aussehen” kommentieren muss (nur um es als Beispiel zu nennen). Aber ganz im Ernst, dann muss man vielleicht auch mal an den Verstand solcher Personen appellieren und sie zum nachdenken anregen, dass nicht alles, was Frauen machen, als sexuelle Anspielung gemeint sein soll. Wir leben im 21. Jahrhundert und es gibt nicht umsonst immer mehr Frauen bei der Polizei. Vielleicht darf man dann solchen Menschen, die die Mädels als “Sexsymbole” sehen oder sie respektlos behandeln, einfach nicht die Bestätigung geben, indem man das Video so kritisiert. 

Vor kurzem sollte eine Kongressabgeordnete aus den USA (Ocasio Cortez) von Rechtsextremen anhand eines Tanzvideos aus ihrer Jugend bloßgestellt werden. Und was passierte stattdessen? Sie wurde gefeiert und legte gleich noch ein Tanzvideo hinterher um ihren Spaß am Job und am Leben auszudrücken und sich nicht unterkriegen zu lassen. 
Es kursieren Videos von Polizisten, wie sie am 1. Mai mit fröhlichen Bürgern der Stadt auf dem Boden mit Kreide tiktaktok spielen. Tanzende Polizisten, die auf einem Techno-Festival kurz einmal mittanzen, als der Wagen mit lauter Musik an ihnen vorbeifährt. Alles auf Youtube zu finden und in meinen Augen ein wundervoller Ausdruck dafür, dass Polizistinnen und Polizisten auch nur Menschen sind und wir fröhliche Menschen sind, wir nicht böse sind oder anderen Menschen böses wollen, sondern im Gegenteil.

Die Mädchen haben Spaß und lieben ihren Job. Das zu sehen finde ich super und mir gefällt das Video. Dass das Video nicht für die Öffentlichkeit gedacht war – eine Sache. Blöd gelaufen aber in meinen Augen auch nicht dramatisch, da ich es persönlich echt cool finde ! Dass jetzt Konsequenzen folgen sollen – finde ich Schade. Man sollte das positive sehen anstatt sich darüber aufzuregen, dass Polizistinnen, die im Dienst einen sehr guten Job machen werde, in ihrer Stube vor Freude über ihr Leben und ihren Job tanzen. 

Es ist immer das, was wir daraus machen. Ich finde das Video toll. Die Mädchen können zeigen wie Stolz sie auf ihren Job sind. Denn sie lieben ihren Job, sie sind Menschen die Sportklamotten und Uniform tragen- nichts davon ist verwerflich. Und ein bisschen Spaß an der Sache darf in meinen Augen auch sein. Und gerade DAS die Mädchen sich so etwas ausgedacht haben, zeigt mir, dass sie genau die richtigen STARKEN Frauen sind, die diesen Beruf – gerechtfertigt – ausüben. 

In meinen Augen sind es ganz andere Leute auf Social Media, denen man auf die Finger schauen sollte. Solch ein spaßig und ganz und gar positiv gemeintes Video zu bestrafen setzt die falschen Zeichen. Meine Meinung.

Wahre Polizistinnen. 

Glückliche Polizistinnen.
Polizistinnen bereit für jede Herausforderung.

gez. Ms. Officer