Der erste erste Tag – Die Ernennung

Hallo und Willkommen zurück.

Freut mich, dass es euch wieder auf meine Seite verschlagen hat und dass euer Interesse so groß und euer Feedback so toll ist! Auf Instagram hat mich jemand angesprochen und nach einer kleinen Erzählstunde gefragt, wie die ersten Tage und auch die Einkleidung abgelaufen sind. Erst wollte ich beides in einen Post packen, aber ich merke gerade beim Schreiben, dass es einfach viel zu viel geworden wäre.

Dem Wunsch nach den “Ersten Tagen” möchte ich zuerst nachkommen. Ich sollte gerade eine Hausarbeit schreiben. Meine letzte Hausarbeit. Aber mir fehlt ehrlich gesagt die Motivation. Ich bin müde vom Tag, habe gerade gegessen und möchte meinen Abend entspannt ausklingen lassen. Wie geht das besser, als an meinem Blogpost zu schreiben. Das ist etwas, das mir Spaß macht. Deshalb mache ich es. “Hätte/sollte/müsste” mal beiseite. Ich will jetzt schreiben. Also schreibe ich. Viel Spaß.

Die ersten Tage

Ich habe schon einmal kurz auf Instagram meinen ersten Tag angeschnitten. Aber um genau zu sein, gab es drei erste Tage. Eigentlich noch viele viele mehr. Aber über die drei Tage will ich jetzt reden.

Der erste erste Tag

Die Ernennung an der Polizeiakademie in Berlin-Spandau. Hier, auf dem großen Gelände, mit den vielen unbekannten Gebäuden, war ich schon für den Sporttest. Damals lief ich über das große Gelände und sah ganz viele Menschen in Uniform. Ehrfürchtig war ich. Habe alle gegrüßt aber war ganz schüchtern. Bewunderung. Begeisterung. Hoffnung und Vorfreude. Aufregung. Das waren die Gefühle, die ich damals spürte. Dann kam die Einstellzusage und irgendwann dann der Tag der Ernennung. Es war ein Freitag. Freitag der 01. April 2016. Ein Tag, auf den ich ein halbes Jahr hingefiebert hatte. Und doch so weit entfernt. Ich hatte davor noch ein anderes duales Studium. Die Kündigung sowie der Abschied dort haben mir so viele Nerven gekostet, dass ich die Ernennung total vergaß. Dann war plötzlich der 30. März und ich wusste, ich hatte nur noch anderthalb Tage bis zur Ernennung. Und plötzlich der Schock. Was ziehe ich an? Was haben die anderen wohl an? Wo muss ich hin und was erwartet mich da? Es war eine Feierlichkeit – so kündigte es mir die Ausbildungsleitung an. Ich wollte es mit allen teilen und doch war irgendwie niemand da. Meine Familie im Ausland – außer eine meiner Schwestern (wofür ich bis heute unendlich dankbar bin! Falls du das hier ließt: du hast mir an dem Tag so unglaublich viel Kraft gegeben!). Ich war so aufgeregt. Über Facetime und per WhatsApp zeigte ich meinen Eltern meine möglichen Outfits und sie berieten mich so gut es ging. Ich entschied mich dann für eine schwarze Jeans, schöne Büroschuhe (ich hasse solche Schuhe) mit einem ganz kleinen Absatz, eine schwarze Bluse und einen weißen Blazer – schick aber nicht zu overdressed fand ich damals.
Dann kam der besagte erste erste Tag. Ich stand richtig früh auf und fuhr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Polizeiakademie. Im Bus entdeckte ich dann schon ein paar adrett gekleidete Jungs und Mädels, die auch tatsächlich mit mir wieder ausstiegen und zur gleichen Veranstaltung wollten. Am Tor mussten wir dann unsere Einladung vorzeigen und ich folgte dem Strom der Menschen. Wieder so viele in Uniform. Es war heiß. Der Angstschweiß lief und ja, zugegeben war die Situation sehr überwältigend. Ich war so aufgeregt. Es war schlimm und toll zugleich. Im Vorraum des Gebäudes, wo die Ernennung stattfinden sollte, unterhielt ich mich dann mit einer Gleichgesinnten. Wir wunderten uns, wieso so viele Leute in Uniform auf die Ernennung warteten, bis uns auffiel, dass das alles schon Anwärter aus dem mittleren Dienst waren, die sich noch einmal neu für das Studium beworben hatten und nun vom Polizeimeisteranwärter (PMA) zum Polizeikommissaranwärter (PKA) ernannt werden sollten. Deshalb die Uniform. Wieder was gelernt.
Bei der Ernennung hörte man dann gespannt zu. Es gab Vorträge, Musik und am Ende die heiß ersehnte Urkunde. Sie hängt bei mir im Zimmer. Für alle die sich das fragen: Ja, ich bin stolz drauf und sie zeigt mir mein Ziel auf. Deshalb habe ich sie aufgehangen.
Dann mussten wir noch gefühlt fünfzehn verschiedene Sachen unterschreiben – was das war? Keine Ahnung. Ich war zu aufgeregt und hab es inzwischen vergessen.
Alles was danach kam war unrealistisch. Man verließ das Gelände wieder und Montag sollte es dann erst in der Uni wieder losgehen. Irgendwie… wie soll ich es sagen… Dieser Tag hatte so viel Bedeutung und doch fühlte man sich irgendwie verloren. Also mir ging es so. Ich kann immer nur von mir sprechen. Es war auch irgendwie niemand da mit dem man sprechen konnte. Dieses Gefühl was mich in dem Moment heimsuchte. Ich wollte es teilen. Aber es ging nicht. Man ging alleine wieder vom Gelände. Also ich. Und viele andere. Nicht alle. Manche hatten schon Kontakte oder kannten wen, der wen kannte. Ich nicht. Also ging ich. Zu meiner Schwester. Sie fing mich auf. Ich weiß nicht wieso aber es fühlte sich alles komisch an. Ich stand plötzlich, nach 1,5 Jahren Studium, wieder vor einem Neuanfang. Einem Neuanfang, den ich mir so sehr herbei gewünscht hatte. Und jetzt war er da. Unheimlich. Habe ich das richtige gemacht? Wird es mir gefallen? Werde ich es meistern? Was, wenn ich es nicht schaffe? Zweifel und Ängste durchfuhren mich. Meine Schwester fing mich auf. Sie war so begeistert und wollte alles wissen. Ich sollte alles erzählen. Plötzlich merkte ich, wie ich anfing zu reden und gar nicht mehr aufhören wollte. Danke Schwesterherz. 
Dann ging der Tag zu Ende. Voller Spannung was am Montag wohl passieren würde. Voller Vorfreude und mit so viel Polizeiliebe im Herzen. Ich freute mich – endlich dazuzugehören.
Ihr wollt wissen, was ich mit dem zweiten und dritten ersten Tag meine?
Das erzähle ich euch im nächsten Blogpost 🙂
 

gez. Ms. Officer

p.s.: ihr merkt: wenn ich einmal loslege schreibe ich sehr viel. Nicht immer. Aber wenn es passt und ich Lust habe. Deshalb hab ich es aufgeteilt. Hier nur der erste Teil. Part II und III folgen bald – sie sind ja schon fertig und warten nur darauf, veröffentlicht zu werden.

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