Das Studium gPvD – 1.-4. Semester

Vor einigen Tagen hatte ich mal in meiner Story bei Instagram gefragt, was für Themen ihr gerne angesprochen haben möchtet, in meinem nächsten Blogpost. Einige hatten sich etwas über das Studium gewünscht, manche wollten etwas über die Intensität wissen, wie es mit Urlaub und Freizeit aussieht, andere wollten Infos über Klausuren, Hausarbeiten oder Lehrgänge. 

Für alle, die bereits Polizistinnen/Polizisten sind, ist dieses Thema natürlich nicht sonderlich interessant. Aber ich denke so ein kleiner Erfahrungsbericht schadet nicht, somit kann ich die letzten drei Jahre auch noch einmal Revue passieren lassen! Mal schauen wie ausführlich ich werde und ob es in einen Post passt. Bezweifle das aber stark – ich kenne mich :p Ich hoffe ich vergesse nichts, man vergisst leider doch sehr schnell. 

Beginnen wir mit dem ersten Semester. Am 01.04.2016 begann ich das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Die erste Woche war noch etwas… wie nennt man es. Organisatorisch? Wenig Inhalt, außer bei den Rechtsfächern, da wurde sehr schnell Gas gegeben. Alle anderen Fächer waren erst einmal belegt mit Übersichten, was wird uns beigebracht, vielen vielen Vorstellungsrunden und anderen organisatorischen Dingen. Innerhalb der ersten paar Wochen gab es auch noch einen Tag, an dem eine Art “Einführung in das Studium” stattgefunden hatte. In einem Workshop sollten wir uns alle etwas besser kennenlernen und es wurden kleine Teamaufgaben vergeben, die wir am Ende präsentieren sollten.
Dann ging es mit dem Unterricht los. In meiner Klasse war im Alter von 18 bis 31 alles vertreten. Die Hälfte meiner Klasse waren komplette Polizei-Neulinge, die andere Hälfte, also etwas 15 Leute, kamen aus dem mittleren Dienst (die meisten hatten die Ausbildung begonnen und sich dann extern noch einmal neu für das Studium beworben).
Die Infos, die man dann in den Vorlesungen bekommt erscheinen maßlos und zugegeben, ich muss sagen ich war anfangs wirklich etwas überfordert. Gerade in den Rechtsfächern, bei denen die aus dem mD kommenden einfach schon viel viel versierter waren als wir “Neue”, dachte ich echt, ich werde daran scheitern. Es war so viel auf einmal und um das große Ganze zu verstehen braucht es viel Geduld und auch mal die ein oder andere “peinliche” Frage in der Klasse. Aber ich lege euch ans Herz: traut euch zu fragen, die meisten Dozenten an der Uni reagieren wirklich sofort gut auf eure Fragen und können auffassen, wo die Verständnisprobleme liegen. Das ist Gold wert, wenn ihr das Glück habt, so einen Dozenten zu haben. Ein kleines Geheimnis: Ich habe es zwar rechtzeitig zu den Klausuren immer alles verstanden, aber den Zusammenhang zur Praxis, also das “wofür lerne ich das hier eigentlich alles”, das habe ich erst im Praktikum gesehen. Also heißt es erstmal nur: durchbeißen, gut zuhören und vor allem mitschreiben, auch wenn man da im Studium leider manchmal zu Faulheit neigt. Geistig anwesend sein ist aber schon die halbe Miete, da erspart man sich sehr viel Zeit beim lernen für die Klausuren.
Im ersten Semester ist es, was die Prüfungen angeht, auch noch echt easy. Ihr schreibt lediglich eine Klausur in Soziologie und die ist absolut machbar, da braucht man sich keine Sorgen machen. Auf eine Hausarbeit in Grund- und Menschenrechte, wird man dann noch vorbereitet, die man relativ zeitig im 2. Semester abgeben muss. Ich und andere Kollegen, die vorher schon mal studiert haben, hatten hier einen kleinen Vorteil. Das zitieren und generell Verfassen von Hausarbeiten war somit schon “Gewohnheit” und fiel nicht allzu schwer, andere hatten da leider mehr Probleme.
Im ersten Semester (allerdings relativ mittig) findet auch ein ein-wöchiges Praktikum in Zivil statt – für die Schupos auf dem Abschnitt und für die Kripos bei dem Kriminaldauerdienst (K1).
Während der Uni-Phase hat man im 1. Semester noch Schwimmen. Da das in Ruhleben stattfindet bedeutet das leider, dass man zwischen Uni und Polizeiakademie pendeln muss, was auf Dauer ziemlich nervig ist. Übt fleißig für Schwimmen, auch in der Freizeit, da die Prüfung echt nicht ohne ist.

Und dann kommt schon die erste Praxisphase. Ihr habt Lehrgänge wie Verhaltenstraining und Funken, auch noch alles super überfordernd (für mich) aber rückblickend waren das echt alles sehr gute und hilfreiche Lehrgänge. Auch Waffenkunde und das Zu- und Eingriffrecht (somit auch die ersten Festnahmetechniken) und sog. Situs (Situationstrainings) werden im ersten Semester im Fachpraktischen Teil nicht an der Uni, sondern an der Polizeiakademie in Spandau durchgeführt. Außerdem macht man hier noch ein Praktikum, das zwei Wochen geht. Hier tauscht man die Rollen mit den Kripos: Kripos machen ein Praktikum auf dem Abschnitt und Schupos gehen zu K1. So lernt man auch mal die andere Sparte kennen und da man im 1. und 2. Semester noch gemischte Klassen mit Schupos und Kripos hat, kann man hier noch einmal gucken ob man die richtige Entscheidung getroffen hat. Denn man hat bis Ende des 2. Semesters die Möglichkeit, mit einem Tauschpartner die Laufbahn zu wechseln. Der Urlaub (30 Tage im Jahr) wird euch vorgegeben und ist immer in den Praxisphasen jedes Semesters zugeteilt. Erholt euch hier gut, denn:

Danach beginnt dann das 2. Semester und hier wird es deutlich anstrengender und komplizierter. Wenn ich euch eins ans Herz legen könnt: nehmt die Übungsklassen so ernst wie nur irgendwie möglich. Nach Abgabe der Hausarbeit beginnt sehr schnell die direkte Vorbereitung auf die ersten Rechtsklausuren. Man schreibt 3 Klausuren: Psychologie, Strafrecht und Strafprozessrecht. Und die haben es wirklich in sich: LERNEN!! Aber das war leider noch nicht alles, neben der Hausarbeit und den Klausuren muss man noch zwei Präsentationen halten. Eine in Polizei- und Ordnungsrecht und eine in Einsatzlehre. Bei beiden gehört zum Arbeitsauftrag eine schriftliche Ausarbeitung. Was der Dozent da erwartet ist ganz individuell und da müsst ihr immer gut aufpassen was er haben will. Bei uns waren es immer zwischen 10 und 15 Seiten Ausarbeitung, was leider vom Aufwand her nochmal fast eine Hausarbeit bedeutet. Ein ziemlich aufwändiges Semester also, hier hat man deutlich weniger Freizeit und der Sport, Partner, Familie und die Freunde müssen etwas nach hinten geschoben werden. Aber auch das geht vorbei. Parallel findet auch das erste Halbjahr ESV (einsatzbezogene Selbstverteidigung) statt. Hierzu sage ich nichts außer: es gibt Menschen die hier sehr stark kämpfen müssen und sehr viel lernen müssen um es zu bestehen, aber es ist wirklich sehr wichtig für den späteren Dienst! ^^

Nach den Klausuren dann wieder die Praxisphase mit Urlaub und Lehrgängen. Leider hier kein Praktikum. Im 2. Semester wird einem das Programm, dass die Polizei Berlin zur Anzeigenaufnahme verwendet, beigebracht. Man macht einen Fotolehrgang, einen Kurs über Cyber-Kriminalität (klingt langweilig aber ich fand den mega spannend) und noch einen etwas intensiveren Kurs, bei dem am Ende auch eine Prüfung ansteht. Hier geht es um das Vorgehen an einem Tatort – mega wichtig für die spätere Arbeit.

Im 3. Semester habt ihr dann wieder etwas mehr Freizeit und könnt durchatmen. Es wird wieder nur eine Klausur in Kriminologie geschrieben und einige (nicht alle: der Rest hat dies im 4. Semester) können schon ihre Präsentation mit schriftlichem Anteil im Fach Politikwissenschaften halten. Wenn ihr schnell seit, meldet euch da, dann habt ihr das erledigt. Einige unbewertete Vorträge können immer Mal wieder stattfinden, aber das ist auch wieder Dozenten abhängig. Wichtig im 3. Semester: nur weil ihr keine Klausuren schreibt heißt das nicht, dass es unwichtig ist. Im Gegenteil: ihr braucht alles für die Klausuren im 4. Semester die mal wieder richtige Brecher sind. Also nicht nachlassen mit der Aufmerksamkeit! Das 4. und 5. Semester teilen sich in Sport einmal Ausdauer = Laufen und Kraft = Parcours, Liegestütz und Klimmzüge. Ich empfehle euch, das schon im 1. und 2. Semester im Hinterkopf zu haben, da es so spontan nicht so viel hilft, erst im 4./5. Semester mit dem Training anzufangen.
Der Fachpraktische Teil beinhaltete dann endlich das erste Mal Schießen! Den Lehrgang fand ich besonders toll und aufregend. Vielleicht sollte ich dazu mal extra was schreiben, denn dazu kann man echt noch viel erzählen und berichten. Bei anderen Lehrgängen ist das auch immer mit den Inhalten so eine Sache. Zu viel darf man da natürlich nicht sagen.
Außerdem habt ihr nochmal vertiefendes Verhaltenstraining, Einsatztraining und Situationstraining. An alle Lehrgänge kann ich mich zugegeben gar nicht mehr erinnern – kann sein, dass ich hier was vergessen habe.

Dann kommt nochmal der letzte Oberhammer: das 4. Semester. Die, die nicht das Glück hatten, PW im 3. Semester zu halten, müssen dies nun hier tun. Streitet euch um die frühen Plätze denn man neigt dazu es nach hinten schieben wollen aber das – und das ist ein Tipp für das gesamte Studium – macht hier GAR KEINEN Sinn ! Macht alles immer so früh und zeitnah wie ihr könnt, um einen Haken dran zu machen. Je näher die Klausuren kommen, umso mehr Stress hat man eh. Dazu kommt eine Präsentation mit Ausarbeitung in einem Vertiefungsmodul, das ihr im 3. Semester frei wählen durftet. Tipp von mir hier: schnell sein. Geht sofort wenn die Kurswahl freigeschaltet wird auf euren Kurs, sonst kommt ihr nicht mehr in die guten Kurse. :p
Die Hausarbeit in Führungslehre kostet nochmal sehr viel Zeit und dann müsst ihr euch schon an das Meister-Projekt des 4. Semesters machen: Die Planübung. Das ist quasi ein ganzer Tag, den du und deine Gruppe (7-9 Leute) gestalten. Ihr haltet eine Präsentation, bzw. plant einen Einsatz, den ihr dann vor dem Gremium, das euch benotet, und der Klasse vorstellt. Sehr aufwändig und hier können echt riesige Diskussionen ausgelöst werden. Doch egal wie schwierig es wird: Denkt dran, ihr seid Kollegen und ihr wollt das alle und gemeinsam schaffen. Also arbeitet zusammen, seid ein Team und bleibt stark als eine Einheit. Dann funktioniert das Ganze auch viel besser und ihr sichert euch eine sehr gute Note. Wenn das überstanden ist, kommen noch zwei große Aufgaben auf euch zu, die nochmal sehr viel Konzentration und Durchhaltevermögen fordern! Die beiden Klausuren des 4. Semesters sind Polizei- und Ordnungsrecht, sowie Verkehrsrecht. Beide ziemlich heftig wie ich fand. Sehr viel Stoff, aber auch machbar. Ihr schafft das, ich glaub an euch :p 

So… das war nun doch ziemlich viel und irgendwie auch ziemlich trocken. Glaube mein übernächster Post wird wieder etwas… emotionaler 😛 mit Gefühlen und Gedanken und so. Aber das ist ebenfalls wichtig. Ich hab damals nirgends Erfahrungsberichte gefunden, als ich mich beworben habe. Ich wusste gar nicht so richtig, was auf mich zukommt. Deshalb und als Erinnerung für mich, was man doch schon so alles überstanden hat, schreibe ich es 🙂 

Im nächsten Post folgen dann noch die Praxisphase des 4. Semester sowie die Semester 5 und 6 + Praxisphasen. Da es die aber in sich haben und ich dazu etwas ausholen möchte, vor allem was die Praktika und die ersten Einsätze angeht, schreibe ich dazu in der nächsten Woche mehr 🙂 

gez. TP 

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