Das Studium gPvD – 4.-6. Semester

Ich habe euch etwas ganz wichtiges vorenthalten, weil ich es vergessen habe! Das Fahrsicherheitstraining! Das findet im Praxissemester des 3. Semesters statt und macht echt richtig viel Spaß ! Der Fahrtweg dahin (es ist sehr weit südlich Berlins) ist zwar die Hölle, aber die Tage dort sind so unfassbar witzig und man lernt wirklich sehr viel auch über sein eigenes Fahrverhalten!

So und nun wie versprochen zum Ende des 4. Semesters und das was dann folgt. Die Klausuren im 4. Semester fordern viel Energie. Bei der letzten Klausur verlässt man die Uni mit dem absolut besten Gefühl überhaupt. Ein ganzes Jahr keine Klausuren und ein halbes Jahr keine Uni. Zugegeben, ich mochte die Uni in Lichtenberg nie: zu weit weg und ein Prachtexemplar an Uni ist sie nun auch nicht 😉 deshalb umso schöner zu wissen, dass ich ein halbes Jahr nicht jeden Tag die Reise nach Lichtenberg antreten muss. Das Gefühl ist der Wahnsinn. 

Dann beginnt der 4. Praxisteil. Übergangslos geht dieser in das 5. Semester über. Ein reines “fachpraktisches” Semester (und in meinen Augen das tollste Semester). Man hat trotzdem sehr viel Theorie in einigen Lehrgängen, aber alles findet innerhalb der Polizeiakademie in Spandau (oder auf der jeweiligen Praktikumsdienststelle) statt und hat einen sehr großen praktischen Anteil. Man hat hier Lehrgänge wie den Verkehrspostenlehrgang – das ist der Lehrgang, den man braucht, um eine Kreuzung mit ausgefallener Lichtzeichenanlage (Ampel) regeln zu dürfen. Der VU-Lehrgang, wo man lernt, wie man einen Verkehrsunfall aufnimmt, ist essenziell für das darauf folgende Praktikum. Im 5. Semester ist man nämlich (kann hier nur noch von den Schupos sprechen) 6 Wochen auf dem Abschnitt und 6 Wochen auf einer Einsatzhundertschaft und erlebt dort den täglichen Dienst. Hier heißt es: viel lernen, viel von sich zeigen und viel machen! Freiwillige Vorträge oder Einsätze sind immer sehr willkommen und unterstützen den Chef dabei, eine angemessene Bewertung schreiben zu können, denn: beide Praktika sind bewertet und mir persönlich war es auch wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ausführlich zu den Praktika und meinen Erlebnissen dort, werde ich aber wohl noch einen weiteren Blogpost schreiben. Hier soll es ja nur ein grober Überblick für euch sein, an dem man sich bei Interesse am Studium mal schlau lesen kann.
Allgemein kann ich aber sagen, dass die Praktika unfassbar lehrreich und eine wahnsinnig tolle Zeit waren.
p.s.: Es wird schwer sein, danach wieder an die Uni zu gehen und die Schulbank zu drücken. Man will raus, Arbeiten – die Welt retten 😀 

Neben den o.g. Lehrgängen und Praktika hat man dann noch ein sehr langes Seminar. Dieses geht 8 Wochen und nennt sich Einsatz- und Führungsseminar. Als Gruppe oder Zug werden von immer anderen Verantwortlichen Einsätze geplant und dann auch tatsächlich durchgeführt. Dabei holen wir uns Einsätze von anderen Dienststellen, die z.B. an eine Hundertschaft gegeben werden sollten und planen sie so durch, wie man es als Zugführer im echten Leben (möglicherweise macht der es etwas besser und professioneller :P) auch machen würde. Zumindest geben wir uns Mühe. Die durchgeführten Einsätze können sich über kleinere Verkehrssonderkontrollen bis hin zu Durchsuchungen oder sonstigen Maßnahmen strecken. Es ist uns quasi freigestellt und wir können uns mal ausprobieren und erste praktische Erfahrungen sammeln. Man wächst als Team zusammen und der Lehrgang ist ein wichtiger Inhalt des Fachpraktischen Teils. Auch hier erhält man eine Note.
Ich hatte anschließend noch das Abschlussschießen. Das haben die meisten Klassen erst im 6. Semester, aber da es bei meiner Klasse termintechnisch nicht anders gepasst hat, durften wir es schon im 5. Semester machen. Das hat super viel Spaß gemacht. Wir hatten verschiedene Übungen, die wir schießen und bestehen mussten, um unsere Waffenträgereigenschaft weiterhin zu behalten bzw. zu erlangen. Uns wird dabei auch beigebracht, wie wir z.B. einhändig schießen, wie man schießt, wenn man gleichzeitig eine Taschenlampe in der Hand hält und auch, wie man Störungen an der Waffe beseitigt, wenn man nur eine Hand frei hat. Beidhändig lernt man das ja schon in den normalen Lehrgängen und im Abschlusslehrgang wird es dann eben etwas schwieriger und man kann sich nochmal austesten und seine Fähigkeiten an der Waffe verbessern. Nicht nur mit unserer “normalen” Dienstwaffe – der P6 aktuell noch -, sondern auch mit der MP5 haben wir im Abschlusslehrgang nochmal geschossen.
Auch eine Art Rollenspiel, bei dem unsere rechtliche Sicherheit im Umgang mit der Waffe und dem Schusswaffengebrauch im Einsatz geprüft wird, Muss man absolvieren. Hier war ich sehr überrascht wie viel man doch über das Studium gelernt hatte. Nachdem man ein Rollenspiel mit etwas Unsicherheit (bei mir war das so) durchgespielt hatte, verflog die Aufregung und im nächsten Rollenspiel war ich dann bereits viel sicherer im Umgang und auch mit der rechtlichen Einschätzung. 
Die Waffe in der Hand zu halten ist definitiv nicht “normal”: Es ist ein ungewohntes Gefühl und man sollte nie den Respekt vor dieser Waffe verlieren. Ein gesundes Verständnis von seinen Einsatzmitteln ist im Dienst stets geboten und das wird in diesem Abschlusslehrgang nochmal sehr gut verdeutlicht. Die Regelmäßige Überprüfung der Waffenträgereigenschaft ist sehr gut und wichtig!

Einer der besonderen Lehrgänge war außerdem die Ausbildung für den geschlossenen Einsatz. Hier lernt man, was die Hundertschaften in ihrem täglichen Dienst zu leisten haben und wie sie arbeiten. Ich darf hier leider gar nichts über die Inhalte verraten aber verdammt: Dieser Lehrgang war so anstrengend. Wir sind körperlich an unsere Grenzen gekommen und darüber hinaus gegangen. Man ist sehr stark zusammengewachsen und dennoch wurde das Hierarchie Verständnis für den Gruppen- bzw. Zugführer gestärkt. Während wir an der Uni das Diskutieren und Hinterfragen lernen, ist es in Situationen im Dienst unabdingbar, auf seinen Vorgesetzten zu hören. Er weiß was er macht und es ist wichtig, seinen Anweisungen zu folgen, um den Erfolg der Maßnahmen zu sichern. Das lernt man in diesem Lehrgang. Es war hart, wir haben geschwitzt, wir waren verzweifelt und wurden zum Weitermachen animiert. Es war der WAHNSINN. Vielleicht lag es auch an den Lehrgangsleitern (die uns allerdings auch mal die Hölle heiß gemacht haben wenn jemand sein Barett vergessen hatte). Aber extra Liegestütz für Fehlverhalten zeigen eben Wirkung 😉 Am Ende des Lehrgangs waren wir alle bestens erzogen :p 

Bis es dann wieder an die Uni ging… 😉 Nach einem wohlverdienten Urlaub muss man sich dann nämlich wieder an den Theoretischen Teil gewöhnen – schwierig muss ich sagen. Es ist uns allen schwer gefallen.
Die wichtige Phase der Bachelor-Arbeit beginnt. Nachdem man im 4. Semester bereits ein Thema mit seinen Wunsch-Korrektoren eingereicht hat und das im 5. Semester (hoffentlich) genehmigt wurde, fangen die meisten jetzt Ende des 5./ Anfang des 6. Semesters erst richtig mit dem Schreiben an. Wichtig ist, dass man sich schon vorher Gedanken macht und wirklich nicht zu spät anfängt – es soll ja schließlich die einzige Bachelor-Arbeit sein, die man schreiben muss. Deshalb ist hier Mühe geben angesagt und ein gutes Zeitmanagement. Zugegeben hat man nun bis Abgabe der BA viel frei. Ich hatte im Durchschnitt nur 3 mal die Woche Uni und den Rest der Woche konnte ich für meine Interviews und das Schreiben der BA nutzen. Sie dann zu Drucken und Binden zu lassen ist nochmal ein riesiges Glücksgefühl! Danach folgen noch zwei Vorträge mit schriftlicher Ausarbeitung (das Spiel kennt ihr bereits) und – das was ihr gerade bei Instagram bei mir verfolgen durftet: die letzten beiden Klausuren stehen an. Einsatzlehre und Verkehrslehre wollen noch geschrieben und bestanden werden. Geschrieben habe ich heute die letzte Klausur und jetzt heißt es Daumen drücken, dass auch alles bestanden worden ist!!

Und wie geht es jetzt weiter? Nach den Klausuren folgt ein 2-wöchiges Praktikum. Ich verbringe dies ab kommendem Montag bei der Berliner Feuerwehr, da es mir wichtig ist zu wissen, wie die Kollegen arbeiten, um das später im Einsatz zu verstehen und ihnen nicht im Weg zu stehen (im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ich nicht weiß wie die Feuerwehr wo, wann, wie lang muss und ich da mit meinem Funkwagen stehe … z.B.). Man kann es aber auch in einer anderen Behörde machen, bei einer Polizei in einem anderen Bundesland oder man macht eine Studienreise, wenn man genug Leute und zwei Dozenten findet, die mitfahren. Drei Studienreisen gibt es dieses Jahr bei uns: nach Barcelona, St. Petersburg und Prag – ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen viel Spaß!
Nach dem Wahlpflichtpraktikum… Tja was passiert dann? Es finden noch sechs wichtige Tage im März statt. Zwei davon sind der erste-Hilfe-Kurs. Zwei davon der Schlagstock-Lehrgang (Tonfa – Training) und der fünfte Tag ist der Tag der Verteidigung der Bachelor Arbeit. Der sechste und wohl wichtigste Tag: die Graduierung – bei mir am 29.03.2019. Und den Rest des Märzes? Vorbereitung auf den Dienst, Vorbereitung auf die Verteidigung und wenn man so motiviert ist wie ich, und sich bereit erklärt, die Abschlussrede am 29.03. bei der Ernennung/Graduierung zu halten, dann sollte man die Zeit gut nutzen, diese Vorzubereiten (ich habe einerseits Sorge, andererseits freue ich mich sehr darauf, die Abschlussrede halten zu dürfen – aber die muss gut werden :p). Einige Tage Urlaub haben wir auch noch und die Abschlussfeier im Jahrgangsrahmen steht auch noch an. Es wird also ein spaßiger März, so wie ich mir das vorstelle. Und währenddessen wartet mein ganzer Jahrgang darauf, endlich zu erfahren, wo es nach dem Studium hingeht – das ist nochmal sehr aufregend !!

So und nun ist der “kleine” Überblick auch schon fertig. Ich hoffe ich habe nichts vergessen und konnte euch das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst, wie es in Berlin abläuft, etwas näher bringen.

Alles in allem war es eine lehrreiche und größtenteils echt gute Zeit. Jeder, der den Wunsch hat, Polizistin oder Polizist in Berlin zu werden, wird es hier mega gut gefallen und neben Höhen und Tiefen (die Tiefen vergisst man übrigens kann schnell kann ich euch aus Erfahrung sagen) habt ihr eine super Zeit und kommt eurem Traum jeden Tag ein bisschen näher. Und je näher der Tag der Graduierung kommt, umso mehr weiß man zu schätzen, was man die drei Jahre alles erleben durfte. Man lernt so viele Leute kennen und eignet sich so viel Wissen und doch schon einige Erfahrungen an, das ist unfassbar. 

Falls ihr Fragen habt, meldet euch gerne! Und falls ihr jetzt das Studium beginnt und es doch etwas anders strukturiert ist: Der allgemeine Inhalt bleibt erst einmal der Gleiche. Möglicherweise wird das Studium irgendwann umstrukturiert, aber bis dahin könnt ihr meinen Erfahrungsbericht als grobe Richtung ansehen. Und jetzt: Viel Spaß beim studieren :p

gez. TP

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