Polizeianwärter als “Möchtegern-Cops”?

Ein Mädchen, dass mir bei Instagram folgt, hat mich gebeten darüber zu schreiben, wie man auf der Straße mit Polizei-Hass und Angriffen aufgrund des Berufs umgeht. Darüber kann ich nichts sagen, da ich noch keine fertige Polizistin bin und diese Erfahrungen in dem Umfang bisher nicht machen konnte.

Einige andere waren aber auch daran interessiert, wie man nicht als fertiger Polizist, sondern als Anwärter wahrgenommen wird. Auf der Straße als auch bei den Kollegen. Und dazu, liebe Freunde – dazu kann ich SEHR viel und aus aktuellen Anlässen erzählen.
Dann beginne ich doch mal. Ich habe mal gelernt, man soll mit etwas Positiven anfangen, dann das Negative berichten und wieder mit etwas Positivem enden? Genau so werde ich es tun 😉

Außenwirkung

Also zur Außenwirkung kann ich euch folgendes sagen: Der Bürger bekommt es meist nicht mit. Als Praktikantin habe ich mich natürlich in gewissen Situationen angemessen zurückgehalten und die erfahrenen Kollegen machen lassen. Ich habe zugeschaut und gelernt. Während das polizeiliche Gegenüber in den Maßnahmen mit den Kollegen beschäftigt ist, ist die Aufregung meist so groß, dass gar nicht bemerkt wird, dass ein Praktikant dabei ist. Zumal wenige wissen, was der Dienstgrad auf der Schulterschlaufe überhaupt bedeutet. Wenn man dann als Praktikantin aber schon gewisse Aufgaben selber machen darf, dann sollte man eben genug Selbstbewusstsein besitzen, es so rüberzubringen, als hätte man das schon hundert Mal gemacht, auch wenn es das erste Mal war. Dann bemerkt der Bürger auch nicht, dass man Praktikant ist.
Also da habe ich als Anwärterin gar keine spezifischen Erfahrungen gemacht. Ich wurde behandelt wie alle andere Kollegen auch. An alle Anwärter, die sich darüber einen Kopf machen: Keine Sorge, solang ihr selbstbewusst auftretet – was ihr in Dienstbekleidung immer tun solltet – dann gibt es hier überhaupt nichts, worüber ihr euch Gedanken machen müsst!
Der silberne Streifen auf der Schulter steht für: Polizeikommissaranwärter/-in

Die Kollegen

Ganz anders sieht es bei den eigenen Kollegen aus: Hier gibt es zwei komplett gegensätzliche Erfahrungen, die ich gemacht habe. Da ich schon eine Positive Sache mit der Außenwirkung abgedeckt habe, starte ich mit der Negativ-Erfahrung:

Meine Negativerfahrung

Es war eins meiner Praktika, die ich im Rahmen des Studiums bei der Polizei absolvieren durfte. Es war eine Dienststelle, auf die ich mich eigentlich sehr gefreut habe. Genauer benennen werde ich sie nicht, das tut auch nichts zur Sache. Ich möchte auch vorweg sagen: Es gab hier einige wirklich tolle Kollegen, die mir auch viel gezeigt und mich so gut es ging an die Hand genommen haben. Jedoch gab es hier auch Kollegen, die ganz offensichtlich keine Praktikanten mögen. Wieso das so ist: Vermutlich schlechte Erfahrungen, ich kann es nur erahnen – ich weiß es nicht. Mir wurde von diesen Personen offenkundig mitgeteilt, dass sie keine Praktikanten mögen. Auf Nachfrage wurde mir dann berichtet, dass “Praktikanten immer so tun als seien sie schon vollwertige Polizisten und denken sie wüssten alles besser”. Gut, das kann sein, dass es solche Anwärter gibt. Aber das zu verallgemeinern fand ich ungerecht und habe ich auch so geäußert. Ich kann wieder nur von mir Reden, aber wie ihr auch schon in meinen vergangenen Posts gelesen habt, würde ich mir das Wissen eines erfahrenen Kollegen niemals anmaßen. Ich gebe im Praktikum alles, versuche mich einzubringen und mein Wissen zu erweitern. Vielen Kollegen ist dies auch aufgefallen, vor allem den Vorgesetzten, die mich am Ende benotet haben (dadurch habe ich auch die gute Note bekommen, obwohl das Praktikum in meinen Augen nicht sonderlich gut lief). Aber scheinbar gibt es auch andere Anwärter, die sich nicht so gut benehmen und für ein schlechtes Image der Anwärter sorgen. Ich konnte das noch nicht bezeugen, deshalb hoffe ich, dass es selten passiert. Ich wurde also in dem Praktikum nicht sonderlich gut aufgenommen und teilweise fühlte man sich so, als wären sie froh, wenn man wieder weg ist. Darüber habe ich mich sehr geärgert. Somit war das Praktikum keine schöne Erfahrung für mich und durch die Anti-Haltung war ich auch in gewisser Weise “eingeschüchtert” bzw. zurückhaltender. Im Nachhinein habe ich aber viel daraus mitgenommen: Ich weiß jetzt, wie ich niemals mit Praktikanten umgehen werde, wenn später mal welche mit mir Funkwagen fahren. Und wenn ich doch mal eine Praktikantenerfahrung machen sollte, wo ein Praktikant sich so verhält, wie oben beschrieben, dann werde ich das nicht allgemein auf alle Praktikanten abwälzen und prinzipiell alle als Belastung einstufen. Wie in meinem letzten Text über die Beurteilung der Lage bereits angesprochen: Jeder sollte neu bewertet werden und jeder hat demnach die Chance, ein toller Praktikant zu sein, wenn er sich gut anstellt.
Weiterhin habe ich gelernt, freundlich aber bestimmt meine Meinung zu äußern. Als Praktikantin hat man sich in gewisser Weise selbstverständlich unterzuordnen. Aber wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, sage ich das. In dem Praktikum haben alle zu mir gesagt: “ach sag lieber nichts, das bringt dich nur in Schwierigkeiten”. Ich habe nicht darauf gehört. Ich habe das Gespräch gesucht und sachlich und freundlich meinen Standpunkt erklärt. Ich bin kurz auf Schock gestoßen aber ganz ehrlich: danach war Ruhe und die Person äußerte tatsächlich “cool, dass du so direkt zu mir warst, deine Argumente machen Sinn”. Eigenlob stinkt – sorry. Ich weiß, dass die Person weiterhin allen Praktikanten negativ begegnen wird, aber zumindest hatte ich für die Zeit meines Praktikums mehr oder weniger “Ruhe” – eine gute Atmosphäre entstand trotzdem nicht mehr.
Schockierender war für mich die Resonanz zu meinem Blog und dem Instagram Profil. Ich musste mir von den eigenen Kollegen mehr negatives anhören, als von Fremden. Mal davon abgesehen, dass es mir bei Fremden leichter fällt, es auszublenden, war ich sehr traurig darüber, dass meine eigenen Kollegen, meine eigene Familie sozusagen, das offensichtlich nicht respektiert. Von einer Person, dessen Meinung ich bis zu dem Zeitpunkt sehr geschätzt habe, obwohl wir uns nur flüchtig kennen, sagte “Möchtegern-Cop” und, wie oben beschrieben “die Azubis, die immer denken sie wüssten schon alles und müssten damit auf ihrem Instagram Profil prahlen”. Das schlimmste daran ist, er hat sich nicht mal die Mühe gemacht, meinen Blogpost zu lesen, in dem ich beschreibe, dass ich GENAU DAS niemals behaupten würde und dieser Blog ein Wegbegleiter ist, um meine eigene Entwicklung zu dokumentieren und um meine Gedanken loszuwerden. Es gibt auch hier sicherlich auch einige Kollegen (Anwärter), die ihr Profil für das “zur Schau stellen” nutzen – aber das ist nicht meine Angelegenheit und wie heißt es so schön: Leben und Leben lassen.
Auch in meiner Klasse stieß ich anfangs auf viel Spott – ich will gar nicht weiter darauf eingehen, aber von den eigenen Kollegen hatte ich mir tatsächlich mehr Zuspruch und Toleranz gewünscht. Man muss es ja nicht toll finden, aber zumindest etwas mehr Rückhalt wäre schön gewesen.

Meine Positiverfahrung (eine von vielen)

Dann gibt es da aber auch noch die andere Seite. Die Seite der Familie, die ich liebe. Die Kollegen, die einen Unterstützen und einem sagen, dass sie meine Worte verstehen und mich nachvollziehen können. Ein erfahrener Kollege hat meinen Text über “die ersten Tage” gelesen. Er hat mir danach geschrieben wie schön es ist, sich durch meine Texte an die Zeit zurück zu erinnern. Viele wünschen einem ganz viel Erfolg und motivieren einen, weiter zu machen.
Und mal ganz weg von dem Instagram und Blog Thema: Meine beste Erfahrung was das andere Praktikum, dass ich machen durfte. Eine andere Dienststelle und: WOW. Bereits am allerersten Tag wurde ich ins Team aufgenommen. Klar war alles fremd und aufregend und bei gewissen Dingen hab ich mich vielleicht etwas blöd (unwissend) angestellt. Aber ich war integriert. Durch die Zugehörigkeit im Team, bin ich richtig aufgeblüht und habe Sachen und Aufgaben übernommen, bei denen ich weit über meine Grenzen hinaus gehen musste. Und wieso? Weil ich Leute hatte, die mir den Rücken gestärkt haben. Ich wusste, hier halten sie was von mir, sie wollen mich fördern und sind da, falls doch was schief geht. Ich wusste, hier lässt mich niemand auflaufen und hier will auch niemand die Praktikantin scheitern sehen. Wir haben gemeinsam gearbeitet, ich wurde in das Freizeitprogramm (nach Feierabend noch ein Bier trinken gehen) eingebunden und ein riesiges Abschiedsfrühstück wurde auch organisiert. Mir wurde Verantwortung übertragen und ich konnte zeigen, was in mir steckt. Ich habe mich pudelwohl gefühlt und solche Sätze wie “die Praktikanten sind der Nachwuchs” haben mich extrem glücklich gemacht. Denn genau so ist es. Anwärter sind nun mal der Nachwuchs und je mehr sie in die Familie hineinwachsen, umso besser wird auch der Halt innerhalb der Familie. Wo sonst sollen wir lernen wie es geht, wenn nicht im Praktikum? Am Ende des Praktikums hat sogar das ganze Team mit mir ein Foto gemacht und es hängt jetzt in deren Sozialraum – wisst ihr wie stolz ich war? Ich gehörte dazu. Man freute sich, dass ich dort mein Praktikum absolvierte. Klingt total affig aber ich hab mich gefühlt wie ein Teil von “ihnen” – den richtigen Polizisten. Dadurch, dass ich so gut aufgenommen wurde, habe ich natürlich auch viel mehr gelernt, als wenn man eingeschüchtert und ausgegrenzt “in der Ecke hockt” (überspitzt gesagt). Hier habe ich gelernt, wie ich später den Praktikanten begegnen will.
Jeder sollte die Chance haben, sich zu beweisen. Manche werden es schaffen, manche werden es vielleicht nicht so gut machen. Im Nachhinein kann man immer sagen “der war gut, der war schlecht” aber ich finde man sollte niemals von vornherein alle Praktikanten über einen Kamm scheren. Jeder sollte von Null an eine Chance bekomme, ohne Vorurteile. Es ist bestimmt anstrengend, jeden Monat einen anderen Praktikanten zu haben, aber dennoch: Wir haben alle mal so angefangen. Und daran sollte man denken.
Ich für meinen Teil kann sagen, dass mir bewusst ist, dass ich nicht das Wissen eines älteren Kollegen habe und auch, dass ich noch keine “vollwertige” Polizistin bin. (Ich weiß, ich wiederhole mich, aber habe manchmal das Gefühl ich muss mich immer noch rechtfertigen – sorry dafür!) Dennoch wurde und wird mir das unterstellt und das sind negative Erfahrungen, die ich machen musste. Aber auch durch diese Erfahrungen lernt man und vor allem wächst man daran. Ich habe viel mitgenommen – aus beiden Situationen und weiß jetzt, wie ich es später mal machen werde. Und zum Glück überwiegen die Positiven Erfahrungen deutlich, weshalb ich getrost sagen kann: bis auf einige Ausnahmen wurde ich als Praktikantin bei der Polizei gut aufgenommen und ich habe die Dienste so sehr genossen, dass ich mich unfassbar doll drauf freue, endlich richtig Arbeiten zu dürfen.

gez. TP

p.s.: auch wenn es hier nach 50/50 positive und negative Erfahrungen aussieht: das ist nur der Gegenüberstellung geschuldet. Der Großteil der Kollegen steht definitiv hinter einem und beweist: Man ist eine große Polizeifamilie.

Ein Gedanke zu „Polizeianwärter als “Möchtegern-Cops”?

  1. Hallo liebe Mia, ich finde deine Blogs einfach so toll, besonders weil ich später selber zur Polizei möchte. Lass dich von niemandem einschüchtern und mach weiter so.

    Liebe Grüße und pass auf dich auf 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.