Verrate ich, wer ich bin?

Endlich schaffe ich es wieder. Einen Blogpost zu schreiben. Die Lust ist wieder da und die Gedanken wollen wieder raus. Weil ich vermehrt etwas gefragt werde. Oft, sehr oft in letzter Zeit:

Wieso sagst du nicht, wer du bist? Wann sehen wir dein Gesicht?

Podcast zum Blog
“Immer diese Bilder mit abgeschnittenem Gesicht” – “Wieso machst du das?” – Weil es meine Entscheidung ist.

Dafür muss ich ganz von vorne Anfangen. Der Account, auf Instagram, er dient als Tagebuch. Für mich. Ich hatte diese ganze Instagram und Blog – Idee, um meine eigenen Gedanken und meine eigene Entwicklung nachvollziehen zu können. Außerdem finde ich, dass die sozialen Medien eine wundervolle Plattform darstellen, die die Menschen nutzen können, um sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Es gibt so viele verschiedene Arten, Instagram zu nutzen. Es gibt die Blogger, die über Reisen berichten, die schönsten Orte der Welt zeigen und man darin Inspiration für die nächste Reise findet. Es gibt die Influencer, die Werbung für die Sportklamotten oder Nahrungsergänzungsmittel machen. Es gibt Fashionistas, die die neusten Modetrends an den Mann/an die Frau bringen und es gibt politisch orientierte Seiten, die eine gewisse Nachricht vermitteln wollen. Alle sind komplett unterschiedlich und dennoch haben alle eins gemeinsam:

Instagram wird genutzt, um Menschen zu erreichen und eine gewisse Botschaft zu verbreiten. Sei es, um Geld zu verdienen, eine Meinung zu vertreten oder einfach nur den Spaß am Leben und an Instagram. Wir teilen unser Leben in den sozialen Medien – manche mehr, manche weniger.

Auch ich möchte eine Botschaft verbreiten und dieses Netzwerk nutzen, um etwas zu sagen – laut und deutlich. Ich möchte mein Leben als Polizistin teilen. Alles was ich erlebe und ja, dazu gehören auch private Sachen. Denn in meiner Welt kann ich privates und berufliches in diesem Tagebuch nicht trennen, da ich privat einfach auch sehr viel mache, was mich im Job weiterbringt. Ich möchte auch dazu motivieren, Sport zu machen und gerade den Anwärterinnen/Anwärtern bzw. auch den Bewerberinnen und Bewerbern auf den Weg geben, dass Sport wichtig ist, um diesen Job und die Ausbildung erfolgreich zu meisten. Ich bin selbst nicht Fehlerlos und ich mache sicher in den Augen vieler nicht alles richtig, aber das möchte ich auch garnicht. Ich möchte einfach nur das mit euch teilen, was ich für richtig halte und mein Hauptziel dahinter ist: Mehr über diesen Beruf preiszugeben. Dazu gehören Dinge wie die Ausbildung und der Ablauf des Studiums, aber auch, wie es mein Privatleben beeinflusst. Mädchen fragen mich, wie es mit meinen Fingernägeln aussieht, ob ich die im Dienst fragen kann. Andere fragen mich wie ich den Schichtdienst mit dem Privatleben unter einen Hut bekommen werde. Und genau darüber will ich berichten. Was zieht dieser Job mit sich. Was ist gut, was ist schlecht. Muss ich mich selbst einschränken/verändern wenn ich diesen Job machen will?

Es sind die Sachen, die sonst oft hinten runter fallen, über die ich reden möchte. Die “normalen” Sachen für jeden Polizeibeamten – die Sachen, die aber für externe nicht so “normal” sind. Ich möchte meine Erlebnisse teilen und somit auch verarbeiten.

Aber worauf möchte ich hinaus? Ich möchte darauf hinaus, dass ich schon so viel privates von mir zeige. Ihr seht meinen Alltag, wo ich zum Sport gehe, was ich manchmal in der Freizeit so mache. Ich spreche zu euch, d.h. ihr kennt meine Stimme. Wieso zeige ich da nicht einfach nicht auch mein Gesicht?

Ganz einfach: Weil es für das Überbringen meiner Botschaft nicht nötig ist. Es gibt so viel Hass auf dieser Welt und sowohl intern, als auch extern, wird es immer Menschen geben, die einem nichts Gutes wollen. Ich frage mich immer noch, ob ich nicht einfach mein Gesicht zeigen soll, weil ehrlich gesagt: es ist einfach nur anstrengend und nervig immer drauf zu achten, dass mein Gesicht nicht zu sehen ist. Aber ich will darüber nachdenken. Ganz in Ruhe. Denn habe ich einmal mein Gesicht gezeigt, so kann man das nicht mehr rückgängig machen. Ich will Menschen fragen die wissen, was intern für Folgen auf mich zukommen könnten (obwohl ich das nicht verstehe, da ich ja der Polizei keinesfalls in den Rücken fallen will – wieso auch – sondern einfach nur über mein Leben sprechen möchte) und auch, ob es extern mehr Angriffe auf meine Person geben könnte, wenn ich dem Gegner der Polizei mein Gesicht auf Instagram präsentiere. Ich werde mir noch meine Gedanken machen, weil ihr euch es wünscht. ABER: es ist eigentlich nicht wichtig für das, was ich euch sagen will.

Allerdings verstehe ich auch euer Argument wenn ihr sagt, dass das Gesicht das Tagebuch erst noch einmal richtig lebendig macht und das Ganze eben noch mehr mit Leben füllt. Ich sage, dass hinter jeder Uniform auch nur ein Mensch steckt aber bin aus Vorsicht der Meinung, dass mein Gesicht dafür nicht unbedingt relevant ist. Dennoch verstehe ich eure Argumente und ich werde darüber nachdenken. Aber ich teile auch so schon sehr viel privates. Nicht alles, denn vieles möchte ich auch für mich behalten, aber ich teile schon einiges mit euch. Das gefällt mir auch. Und während das viele nicht verstehen können und mit dem Kopf schütteln wenn ich darüber rede, freue ich mich umso mehr über die vielen schönen Nachrichten von euch, die mich so jeden Tag erreichen.

Ich muss mir nur über die Konsequenzen bewusst sein. Aber viele Details kennt ihr schon. Viel privates. Sehr viel, wenn man mal darüber nachdenkt. Viele wissen auch schon darüber Bescheid, wer ich bin. Das dürfen sie auch, denn sie kennen mich. Aber ich möchte Dinge, wie meine zukünftige Dienststelle etc. gerne erst einmal für mich behalten, um Sachen für mich abzuklären und unvoreingenommen meinen Kollegen (bzw. sie mir) begegnen können.

Das hier alles mache ich für euch und für mich. Nicht für die, denen es nicht gefällt. Mir macht Spaß was ich tue und ich liebe es, zu merken, dass es euch genauso gefällt. Ich möchte euch alles zeigen, was zum Alltag einer Polizeibeamtin gehört – und warum? Weil ich liebe was ich tue und weil es der Weg ist, mehr über den Beruf zu erfahren – für alle. Klar kann man googeln und klar findet man dann Informationen über den Beruf und die Einstellvorraussetzungen. Aber hat man dann wirklich eine Ahnung, was auf einen zukommt? Ich hatte sie nicht und habe mir immer gewünscht jemanden zu haben, der mir das alles erzählen will.

Ob mit oder ohne Gesicht: ich will es euch jetzt berichten. Und ob ihr noch erfahrt wer ich bin, das werden wir sehen. Mein erster Chef steht hinter mir, das weiß ich. Aber die Frage ist: Was passiert auf der nächsten Dienststelle. Wie sicher bin ich und meine Familie, wenn ich preisgebe wer ich bin?

Ich hoffe ihr versteht das und wollt meinen Weg trotzdem begleiten, auch wenn – erstmal – mein Gesicht mein Geheimnis bleibt.

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag!

gez. TP

3 Gedanken zu „Verrate ich, wer ich bin?

  1. Hey
    Ich wollte nur mal danke sagen ich verfolge und lese/höre deine Beiträge schon einige Zeit und ich finde es toll was du machst.
    Und zu der Sache mit der Identität ob du sie nun veröffentlichst oder nicht ist doch deine Sache du musst damit glücklich sein nicht alle andern das ist alles was zählt. Wie du im letzten Podcast bereits sagtest du machst das für dich das das andere gut finden ist nur ein positiver Nebeneffekt.
    Weiter so und egal wie du dich entscheidest es ist die richtige Entscheidung 👍😊
    Ich habe sie einfach mal geduzt ich hoffe das war ok .
    Ich habe das Glück morgen nach Berlin zu fahren zur politischen Bildung mit meiner Arbeit ich bin mal auf die Hauptstadt gespannt.
    Kameradschaftlichen Gruß von einem Soldaten zu einer Polizistin

  2. Wenn man sich verschiedene soziale Kanäle anschaut, die Reaktionen auf Postings liest und auch bedenkt, wo Du arbeitest und dort noch am Anfang Deiner Laufbahn stehst – dann solltest Du Dir diesen Teil privates erhalten.
    Wie Du schon richtig festgestellt hast, ist das Gesicht erstmal veröffentlicht, kann man es nicht mehr rückgängig machen. Die ganzen Gründen, die gegen die Veröffentlichung sprechen kennst Du sicherlich selbst. Die muss ich nicht noch einmal schreiben.

    Deswegen nur mein Tipp: lass es. 😉

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