Plötzlich Polizeikommissarin.

Zu spät, bzw. später als versprochen, kommt nun doch endlich mein Blogeintrag zu den ersten Tagen auf der neuen Dienststelle. Ich ziehe gerade noch um und neben dem Umzug und einem sehr anstrengenden und kompliziertem Küchenbau, stehen ja auch auf der Arbeit so viele Dinge an und ich bin schlichtweg nicht früher dazu gekommen. Dafür aber jetzt – besser spät als nie 🙂

Wie ihr mitbekommen habt – oder für alle die es noch nicht mitbekommen haben: ich wurde am 29.03.2019 zur Polizeikommissarin ernannt und habe somit mein Studium bestanden und bin seit dem 01.04. vollwertige Polizeibeamtin im Land Berlin.

Meine Graduierung war für mich ein unfassbar wichtiger, schöner und bedeutender Tag – in meinem letzten Blogpost über die Abschlussrede kann man sich das ja fast denken. Nun habe ich mich vor Ende des Studiums immer gefragt, was dann passiert. Wie geht es nach dem Studium weiter, wie laufen die ersten Tage ab und was erwaretet mich? Und das erzähle ich euch jetzt, nachdem ich es selbst erfahren durfte.

Ich bin nun seit einer Woche auf meiner neuen Dienststelle. Viele, die sich in Berlin auskennen, haben es schon anhand meiner Fotos erkannt. Und ja, viele haben auch richtig geraten, aber ich werde trotzdem nicht öffentlich schreiben, auf welchem Abschnitt ich gelandet bin. Ich kann nur so viel sagen, nach einer Woche: das Gebäude ist zwar unter aller sau aber das vergisst man ganz schnell, weil ich super tolle Kollegen habe!

Also, was passiert nach der Graduierung? Ich habe den Samstag danach noch mit meiner Familie genossen und das ganze etwas gefeiert – so wie es sich gehört. Dann habe ich für Sonntag spontan noch einen Termin mit meinem Chef ausgemacht, damit ich nicht Montag mit Kistenweise Zeug kommen muss, sondern einen Großteil schon einmal am Sonntag in meinen Spind einräumen kann. Dort angekommen nahm mich mein DGL (Dienstgruppenleiter/Chef) in Empfang. Er stellte mir alle vor, die gerade auf der Wache waren und nicht draußen im Funkwagen. Er zeigte mir auch den ganzen Abschnitt (die Wache) mit allen wichtigen Räumen, wo was ist und naja, alles, was man eben so wissen muss.
– ich bin ehrlich, ich bin gerade super müde und hoffe, dass ich einigermaßen verständlich und richtig schreibe, da ich nicht mehr so sehr konzentriert bin, ist ja auch schon spät! –
Meinen Spind habe ich auch bekommen und den Schlüssel zur Wache. Dann habe ich meinen Spind eingeräumt und bin nochmal hoch zum DGL, um weitere Formalien zu klären. Ich konnte nach Monaten endlich mal wieder meine dienstlichen Mails prüfen und konnte mit meinem Chef auch gleich das ein oder andere besprechen. Die grundlegenden Sachen waren also alle schon mal vor dem offiziellen Beginn am Montag geklärt.

Dann kam der Montag – der sog. Begrüßungstag. Es hatte eine andere Dienstgruppe Dienst, deshalb nahm mich am Montag auch wieder mein DGL in Empfang. Alle, die mit mir neu auf den Abschnitt kamen, sammelten sich dann unten in der Wache, bis es los ging. Erstmal war umziehen angesagt. Die “Uniform schön mit Hemd lang” heißt das dann, was wir da anhatten. Der Leiter Führungsdienst begrüßte uns, wir quatschten in einer netten Runde und er, sowie auch alle 7 Neuen auf dem Abschnitt, stellten sich kurz vor. Außerdem haben wir – und das fand ich wirklich sehr süß und mitdenkend – ein kleines Paket bekommen, jeder von uns, indem die wichtigsten Dinge drinnen waren: Eine Karte vom Abschnittsbereich, ein Türöffner, ein Merkheft, Stifte und die wichtigen Checklisten für bestimmte Einsatzarten – wirklich super durchdacht und echt hilfreich!

Später ging es zur Direktion, wo wir noch eimal vom Direktionsleiter begrüßt wurden. Ebenfalls in der Direktion wurden wir dann auch gleich ausgerüstet. Das war vielleicht cool! Eine nagelneue Schutzweste mit taktischer Hülle, den Mehrzweckstock, Reizgas, die Magazine und Patronen, sowie die Waffe haben wir bekommen. Das ist alles Mannaustattung und für jeden, der noch keine eignene hatte, gab es auch noch eine Taschenlampe dazu. Voll ausgetattet ging es dann zurück zum Abschnitt, wo der Tag auch schon wieder beendet wurde.

Donnerstag hatte ich dann meine erste Schicht. Frühdienst. Er sollte “Zu-Früh-Dienst” heißen. Um 6 Uhr Beginn, eine Aufgeregte Polizistin, die die Nacht vorher garnicht schlafen konnte und noch bis 0 Uhr in ihrer Küche gewerkelt hatte, kam also am Donnerstag früh völlig übermüdet zum ersten Dienst. Ja, clever ist anders, aber war nun mal so. Man lernt jetzt so langsam alles kennen. Die Rituale in der Dienstgruppe, wer was wann macht. Das muss man erstmal beobachten und selbst so umsetzen. Die Reihenfolgen und die Aufgaben kennenlernen und versuchen, sich alles abzugucken. Ich habe aber wirklich tolle Kollegen, die mir alles gezeigt und alles erklärt haben. Es herrschte eine super Stimmung und jeder war bereit, sich den Neuen anzunehmen, was die ganze Sache für mich echt erleichtert hat.

Und so ging es dann weiter… Man lernt immer mehr, guckt sich Dinge ab, lernt Dinge neu und wendet alt gelerntes an. Die ersten Einsätze noch zurückhaltend und beobachtend und ich merke, wie ich selbst von Einsatz zu Einsatz aktiver werde. Plötzlich kommt auch aus den dunkelsten Ecken meines Gehirns wieder Wissen zum Vorschein, was ich als längst vergessen eingestuft habe. Der erste unzulässige Lärm, die erste Köperverletzung, der erste Selbsttötungsversuch, ein Verkehrsunfall nach dem anderen usw.

Also für die 3 Schichten, die ich bisher erst mitgemacht habe, habe ich schon super viel gesehen. Besonders die letzte Nachtschicht mit vielen spannenden Einsätzen war super lehrreich und hat gleichzeitig extrem viel Spaß gemacht. Man lernt den Humor der Leute kennen und man lernt, wie sie arbeiten. Wenn man so ein tolles Team hat, wie ich es jetzt habe, lernt man auch sehr schnell. Weil alle (die meisten) bereit sind, einem unter die Arme zu greifen und die genau so eine Einstellung haben wie ich (habe ich auch schon mal in einem anderen Blogpost namens Möchtegerncops geschrieben): Sie sagen, es ist spaßig und bringt ihnen selbst auch was, wenn sie den Neuen helfen und ihnen zur Seite stehen. Ich fühle mich super wohl. Mit allem. Mein Chef ist toll – ich kannte ihn schon vorher und wollte unbedingt in seine Dienstgruppe, da ich sehr viel von ihm halte. Zu merken, dass die Kollegen mich auch annehmen und mit mir lachen und auch arbeiten macht das ganze Einleben so viel angenehmer und ich genieße es richtig. Tag für Tag wächst man ein Stück mehr in die Familie und ich hoffe, dass es schnell geht, bevor man wirklich Eins ist mit allem, denn darauf freue ich mich riesig.

Ich bin ganz am Anfang, ja. Aber die Leidenschaft und die Freude, die ich vor dem Dienst empfinde… die kann mir kein anderer Job dieser Welt geben.

Ihr wollt nun sicher mehr über die Einsätze wissen, die ich schon so gefahren bin? Habt ihr da spezielle Fragen, die ich euch vielleicht beantworten kann? Ich freue mich immer über Ideen und Themen!

gez. TP

 

 

 

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