Polizeianwärter und Instagram

Ich möchte heute über ein Thema reden, das mir sehr am Herzen liegt. Und das vor allem alle betrifft, die sich über diese Polizei-Instagram Verknüpfung Gedanken machen. Vor allem geht dieser Blogpost an alle, die mich zwecks meines Profils und allem, was ich dort veröffentliche, angesprochen haben.

p.s.: alles was ich hier sage ist absolut lieb gemeint!! Es soll sich bitte NIEMAND angegriffen fühlen, ich meine das nur gut!!

Einige junge Mädels und Jungs haben mich angesprochen, mich gefragt, wieso ich das alles mache, wieso und vor allem wann ich mich entschieden habe, damit anzufangen. “Damit” meint immer: dieses Instagram Profil, für das ich mir jeden Tag etwas einfallen lasse und mein Blog, auf dem ich ab und zu mal längere Texte schreibe. Sie haben gefragt, wie ich den Zeitpunkt gewählt habe, damit anzufangen und wie ich weiß, ob ich etwas posten darf oder nicht. Sie haben mich gefragt, wieso ich damit nicht schon früher angefangen habe.

Die Antwort ist ganz leicht: weil ich es mir vorher nicht zugetraut habe und mir auch die Konsequenzen im Studium einfach zu “gefährlich” waren. Was meine ich konkret damit?

Also es geht um folgendes: Ich würde niemandem empfehlen, seine polizeilichen Eindrücke schon im Studium oder in der Ausbildung eigenständig zu veröffentlichen. Und wieso? Aus mehreren Gründen:

  1. Nicht jeder wird gut finden, was ihr tut.

Muss auch nicht jeder, ich weiß. Ist ja bei mir nicht anders. Aber als Student oder Azubi gerät man mit sowas schnell ins Gespräch und mit Missgunst in der Kollegschaft lässt es sich schwerer studieren. Und damit meine ich nicht nur die direkten Kollegen aus der eigenen Klasse und dem Jahrgang. Nein. Ich meine auch die Kollegen, die das im Praktikum oder sonst auf andere Art und Weise mitbekommen und euch dann den “Noch kein richtiger Polizist und schon am rumprahlen”-Stempel geben… Das will man wirklich nicht. Auch danach ist diese Missgunst der Kollegen nicht schön, aber immerhin – so ist es zumindest in Berlin – wird man dann “ernster” genommen und kann auch das Gespräch auf Augenhöhe suchen. Und der Stempel fällt nicht mehr ganz so schlimm aus 😉

Obwohl ich auch eingestehen muss: Je nachdem wie man sich präsentiert, ist der Stempel sogar gerechtfertigt. Wenn man auf seinem Profil nämlich so auftritt, als wäre man seit 15 Jahren Polizeivollzugsbeamter, dann ist das schlichtweg falsch und man sollte seine nicht vorhandene Erfahrung  lieber offen und ehrlich kommunizieren. Sonst macht man sich schnell lächerlich.

2. Es gibt zu viele Vorschriften.

Sind wir mal ehrlich. Die Masse an Vorschriften ist unendlich… Es gibt tausend Geschäftsanweisungen und Dinge, die man beachten muss, bei allem was man öffentlich postet. Selbst ich, obwohl ich mich echt versucht habe, lückenlos mit dem Thema auseinanderzusetzen und alles zu beachten, werde hin und wieder mal wieder darauf hingewiesen, dass etwas doch so nicht zulässig ist, wie ich es gedacht habe. Da liegt natürlich auch viel Interpretation dahinter, wie man etwas aufnimmt, aber man muss eben auf sehr viel achten und gerade am Anfang kann man das alles noch gar nicht wissen.

Und durch den zweiten Punkt kommen wir auch gleich auf den dritten Punkt:

3. Als Anwärter/in ist man sehr angreifbar.

Ist man auch als frisch gebackene Polizeikommissarin, dass kann ich euch gerade aus erster Hand berichten, aber vor allem als Anwärter ist man eben noch sehr sehr angreifbar. Macht ihr was falsch, schlägt das große Wellen, die man hätte vermeiden können – davor will ich euch warnen.

4. Konzentriert euch auf die Dinge, die wirklich wichtig sind.

Das Studium, bzw. die Ausbildung. Alles andere ist im Moment nicht wichtig. Konzentriert euch auf die Klausuren und darauf, das Wissen mitzunehmen und euch anzueignen. Instagram nimmt sehr viel Zeit ein, das merke ich gerade. Zeit, die man als Anwärter einfach nicht hat, da man sich damit auseinander setzen sollte, “Polizei” zu lernen. Und das sollte 100% eures Fokusses einnehmen – anstatt euch um ein Instagram Profil zu kümmern. Schlaft, Lernt, macht Sport und rockt diese Ausbildung! Danach kann man immer noch genug Stolz versprühen.

5. Der Rückhalt des Chefs ist wichtig.

Redet mit euren Vorgesetzten, wenn ihr euch auf Instagram als Polizeibeamter erkenntlich macht. Das ist das aller aller wichtigste! Und ich weiß, dass es in der Ausbildung von Seiten der Verantwortlichen für sowohl die Polizeiakademie, als auch für die Uni, absolut nicht erwünscht ist – zumindest in Berlin. Das ist mit der wichtigste Punkt, wieso ich davon abraten würde.

Das waren meine 5 Gründe, wieso ich mit social Media erst nach der Uni bzw. nicht als Anwärter anfangen würde. – zumindest erst (so war es bei mir), wenn die Ernennung kurz bevor steht.

Bei mir war es ja nicht anders. All diese Punkte waren Gründe, wieso ich nicht vorher damit angefangen habe. Ich habe es erst gemacht, als meiner Ernennung quasi nichts mehr im Weg stand, und ich mich in die Materie – was darf ich und was nicht – meiner Meinung nach gut eingelesen habe. Ich weiß immer noch nicht alles – keine Frage. Aber ich hoffe, mir da bald noch Hilfe von offizieller Seite der Behörde suchen zu können. Auch wollte ich mich aufs Studium zu konzentrieren und es erstmal selber schaffen, bevor ich anderen davon berichte. Ich würde es genau so wieder machen, wenn ihr mich jetzt fragen würdet. Ich fand den Zeitpunkt perfekt, weil ich da sehr viel Freizeit hatte (am Ende des Studiums) und ich somit – bis auf den ein oder anderen Kommentar – den “Wannabe” und “Möchtegerncop” Stempel zumindest auf ein Minimum reduzieren konnte.

Ich hoffe, ihr steht weiter hinter mir. Ich liebe euren Zuspruch! Ich freue mich über jeden, der meinen Weg verfolgt! DANKE DANKE DANKE! Passt auf euch auf und überlegt euch gut, was ihr von euch und eurem Job und euch selbst preisgeben wollt.

gez. TP

p.s.: man weiß als Anwärter noch gar nicht, auf welche Spezialdienststelle man vielleicht mal möchte – deshalb sollte man mit persönlichen Daten und dem öffentlichen Zeigen des Gesichtes mit Polizeibezug auch nochmal vorsichtig sein 😉

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