Der Umgang mit Waffen

Mal wieder ein sehr spontanes Thema, das mir auf dem Herzen liegt…

Es geht um das Thema Waffen. Der Umgang mit der Dienstwaffe, die Gedanken, die ich dazu habe und auch die Ansichten, die viele Menschen mir zwecks der Waffe mitteilen wollten. Es wird wieder einmal ein polarisierendes Thema – aber ihr kennt mich und meine Art ja langsam.

Ja, ich trage im Dienst eine Waffe. Ja, sie vermittelt ein bestimmtes Gefühl. Nein, das ist nicht schlimm, sondern wichtig.

Und wieso: hier kommt meine – mal wieder ganz persönliche – Ansicht. Es ist MEINE Ansicht, spiegelt nicht die der Behörde wieder und ich möchte es einfach loswerden, euch erklären und mit euch teilen, was ich denke.

Deutschland ist, was das Thema Waffen angeht, nicht mit z.B. Amerika zu vergleichen. Ich persönlich finde das gut. Und jetzt kommt das große ABER: man muss es in meinen Augen nicht übertreiben. Wenn jemand Waffen fotografiert und die Fotos hoch lädt, dann ist das nicht schlimm – meine Meinung. Wenn jemand privat als Hobby Schießen geht, dann ist das nicht schlimm – meine Meinung. Wenn jemand sich „krass“ fühlt, indem er das tut, dann ist das schlimm – meine Meinung.

Wieso poste ich die neue Dienstwaffe? Wieso mache ich ein Bild davon und wieso „gefällt“ mir eine Waffe? Ich habe ganz einfache Gegenfragen auf diese Fragen: Wieso gehen manche Menschen klettern? Wieso finden manche Menschen extrem getunte Autos schön? Wieso sollte ich etwas verstecken, dass ich im Dienst immer offen trage?

So… ich merke es wird verwirrend. Jetzt nochmal neu und strukturiert:

Wenn ich manchmal so von meinem Dienst erzähle, davon erzähle wie schön ich die neue Pistole finde und dass ich sie so gerne hätte, dann fragt sich meine Familie manchmal „Wie kann man eine Waffe schön finden?“. Diese Frage ist erstmal berechtigt, wenn man mit Waffen nichts am Hut hat und sie nur als „Waffe gegen den Menschen“ sieht. Eine Pistole kann jemanden töten – das kann man natürlich mal deutlich aussprechen. Und mal wieder das große ABER: Wenn ich darüber rede, dass ich eine Pistole „schön“ finde, dann denke ich in diesem Moment nicht an die Funktion, die die Waffe hat, wenn man gegen ein Lebewesen vorgehen muss. Sondern – und ich denke, dass ist vielen nicht bewusst – es ist tatsächlich eine Art Hobby. Es weckt mein Interesse und ja, es macht Spaß. Spaß, auf Scheiben zu zielen und eine gewisse Punktzahl zu erreichen. Spaß, seine Fähigkeiten auszubauen und besser zu werden, präziser. Es macht Spaß, neue Techniken zu lernen und eins mit der Waffe zu werden. All diesen Spaß sehe ich außerhalb des Berufs. Ja, ich würde sehr gerne privat schießen gehen, weil es mir gefällt, weil es eine Art Leidenschaft ist und ich gerne all das, was ich gerade gesagt habe, vertiefen wollen würde.

ABER: Das Bedeutet nicht, dass es mir Spaß macht, im Dienst die Waffe zu ziehen. Im Gegenteil. Ich hoffe, dass ich niemals meine Waffe gegen einen Menschen einsetzen muss. Es ist vielleicht für einige ein echt heikles Thema – aber ganz ehrlich, auch dieses Thema muss mal angesprochen werden. Besonders auch für angehende Polizeibeamtinnen und -beamte. Stellt man sich die Frage, ob man auf einen Menschen zielen könnte, bevor man das erste Mal im Schießtraining eine Waffe in der Hand hat? Nur weil es Spaß macht, auf eine Scheibe mit Kreisen zu zielen, hat das keinerlei Verbindung zu der komplett anderen Situation, die einem im Job begegnen könnte.

Ja, eine Waffe kann als Ausdruck von Gewalt angesehen werden. Sollte sie aber nicht immer. Im Dienst ist die Waffe meine Lebensversicherung. Wenn ich nicht weiß, wie ich sie einzusetzen habe, ist das zugegeben eine ziemlich schlechte Lebensversicherung. Ein weiterer Grund, wieso das Schießen und das Training hierzu so wichtig sind. Kommt ein Polizist in die Situation, seine Waffe zu ziehen, dann wird z.B. sein Leben oder das Leben eines anderen bedroht. Wenn ein Polizist einen Schuss abgibt, dann tut er dies nicht aus Spaß, sondern weil er muss. Wenn ein Schuss fällt, dann, weil das Gegenüber gerade etwas gewaltiges falsch gemacht hat. Ich will jetzt hier nicht zu detailliert auf die rechtliche Einordnung eingehen. Fakt ist aber, dass wir unsere Vorgaben haben, wann wir die Schusswaffe einsetzen dürfen und wann nicht – und Fakt ist auch, dass diese Vorgaben alles andere als weich sind. Es muss schon einiges passieren, dass die Schusswaffe eingesetzt werden darf.

Bitte bedenkt, dass Polizeibeamtinnen und -beamte sich tagtäglich in lebensbedrohliche Situationen begeben. Wir begeben uns in Gefahr, um andere zu Retten. Und dieser Schutz, den wir haben, indem wir eine Waffe tragen dürfen, ist wahnsinnig wichtig. Anders als unser Gegenüber, nutzen wir die Waffe nicht, um jemanden anzugreifen, sondern um zu verteidigen und zu retten. Ich weiß, dass diejenigen, die gegen Waffen sind, mich nun nicht verstehen werden und mir die Wörter im Mund umdrehen wollen, aber es ist auch tatsächlich verdammt schwer, dieses Thema mit den richtigen Worten niederzuschreiben. Ich will es in Watte packen und im gleichen Moment will ich aber mal aussprechen was manche denken.

Was ich sagen will: Man unterscheidet stets zwischen Beruf und Freizeit. Im Beruf hat die Waffe eine Wirkung. Alleine, dass man sie offen trägt macht dem ein oder anderen Gegenüber deutlich, in was für einer Lage man sich befindet.

In der Freizeit ist die Waffe auch eine Art Hobby. Wie für andere das bouldern oder zocken ein Hobby ist, ist für andere das Schießen ein Hobby. Bestimmt ist das für einige schwer nachzuvollziehen, aber ich versuche es wirklich so verständlich wie möglich zu verpacken.

Deswegen fällt es mir so schwer nachzuvollziehen, wieso es als so kritisch angesehen wird, wenn man seine Waffe offen zeigt. Ich mache im Dienst nichts anderes. Es ist bei den Waffen scheinbar ein schmaler Grat zwischen „angeben“ und „teilen“. Deshalb frage ich mich, wieso alle anderen Einsatzmittel gezeigt werden können, nur die Waffe nicht? Ich teile mit euch, dass die Polizei Berlin eine neue Dienstwaffe bekommt und kläre somit auf. Ich gebe damit weder an, noch will ich irgendetwas negatives vermitteln. Ich finde es gehört dazu, wenn man über den Polizeiberuf berichtet alle Einsatzmittel einzubinden. So zeige ich euch auch die Fahrzeuge, meine Weste mit dem ganzen „Kram“ dran, usw.! Und eben ganz neutral so auch die Waffe.

Wenn ich dann sage, dass ich gerne damit Schieße – Mensch Freunde dann ist doch ganz logisch, meine ich nicht das Schießen im Job sondern das Training, dass ich eben gerne mache. Nicht aus Langweile gibt es Schießvereine in denen viele Menschen Sportschießen betreiben. Also immer locker bleiben – alles halb so schlimm 😀

Als Polizistin kläre ich über Neuerungen in der Behörde auf, als Privatperson empfinde ich eine Leidenschaft für das Thema. Ich sehe sowohl die Notwendigkeit der Dienstwaffe im polizeilichen Alltag, als auch den sportlichen Charakter im privaten Schießverein, wenn man eine Herausforderung sucht. Wie seht ihr das?

gez. TP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere