Emanzipation – alles nur toll?

Komische Überschrift, für einen Blog wie diesen, oder? Eigentlich ja nicht. Früher war der Beruf des Polizisten ein reiner Männerjob. Heutzutage ist das zum Glück nicht mehr so und darüber bin ich unendlich glücklich. Aber das soll hier gar nicht Thema sein.

Podcast:

Immer öfter werde ich von jungen Polizistinnen in meinem Alter, von Anwärterinnen oder auch von Polizei-Interessierten gefragt, wie ich das später mal machen möchte, mit Familie und Karriere. Oft kommt die Frage „willst du erst Karriere machen und dann Kinder bekommen, oder andersherum?“. Viele Fragen auch, ob das überhaupt funktioniert – Karriere UND Kinder. Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich möchte nicht darüber schreiben, wie ich mir meine Zukunft vorstelle und in welcher Reihenfolge ich mit welcher Priorität was angehen möchte. Darum soll es hier nicht gehen. Aber dennoch kommt mein Kopf immer wieder auf einen bestimmten Gedanken, wenn ich mir diese Fragen mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lasse.

Emanzipation. Was versteht man darunter? Im Grunde und bis vor ein paar Monaten empfand ich dieses Wort als 100%ig positiv. Ich verbinde damit die Möglichkeit, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Verglichen zu früher, wo Frauen weder respektiert wurden, noch die gleichen Möglichkeiten privat und auch beruflich hatten (nicht abschließende Beispiele), leben wir heute in einer Welt – zumindest in Deutschland – in der die Frau auf einem guten Weg ist, mit dem Mann auf einem Level zu stehen. Ich lasse hier bewusst die Diskussion aus, ob wir uns schon auf einem Level befinden, denn kleine Einbuße muss die Frau – vor allem beruflich – scheinbar heutzutage immer noch machen. Aber das lassen wir aus Gründen des Umfangs nun mal aus. Generell könnte man über das Thema weit mehr als nur einen Blogpost schreiben. Ich könnte vermutlich ein ganzes Buch zum Thema Frau, Mann, Gesellschaft etc. und alles weitere, was mit Emanzipation zusammenhängt, schreiben.

Aber ich möchte auf einen ganz bestimmten Punkt hinaus. Ich möchte darauf hinaus, was ich auch letztens mit Kollegen besprochen habe. Emanzipation war für mich immer ein positiver Begriff. Doch in den letzten Monaten, geprägt durch eure Fragen und auch meine eigenen Gedanken, die ich mir zum Thema Zukunft mache, sind auch negative Seiten aufgefallen.

Vorsicht: PERSÖNLICHE MEINUNG.

Wenn mich ein Mädchen fragt, was ich zuerst möchte, Karriere oder Familie, dann war das für mich vor ein paar Monaten noch nicht greifbar, wieso ich mich zwischen den beiden Dingen entscheiden muss. Heute sehe ich das schon anders. Es ist auf keinen Fall unmöglich, beides zu haben. Die Frage ist, wie intensiv möchte ich beides erleben. Möchte ich die glanzvolle Karriere, den perfekten Lebenslauf ohne Lücke und die Karriereleiter möglichst schnell und weit nach oben klettern? Möchte ich eine Familie, mit mehreren Kindern, viel für sie da sein und mich möglicherweise noch um Hund und Haus kümmern?

Meine Meinung hierzu: es ist nicht unmöglich, Karriere und Familie zu haben, aber es ist schwer. Beides in voller Intensität zu erleben geht allerdings in meinen Augen nicht, irgendwo muss man Abstriche machen. Die Frage ist nun… WOLLEN wir Frauen das immer?

Ich hoffe ihr könnt meinen Gedankengang am Ende des Textes nachvollziehen. Aktuell erscheint mein Text noch verwirrt und komplex. Doch eigentlich ist das Thema, auf das ich hinaus möchte, ganz einfach, es bedarf nur einiger Erklärung, um dahin zu kommen.

Also. Wir haben festgestellt, dass es möglich ist, Karriere und Familie zu haben. Frauen haben da einen deutlich schwierigeren Weg, als Männer. Das liegt ja auch einfach in der Natur der Sache, da Frauen eben die sind, die schwanger sind, die Stillen etc.

Worauf ich hinaus möchte: Niemand fragt einen heutzutage mehr „willst du überhaupt Karriere machen“. Niemanden interessiert, ob es man den Anspruch an sich selber hat. Nein. Heutzutage geht jeder davon aus, dass eine motivierte, engagierte Frau auch Karriere machen MUSS. Ich sehe das ja (leider) selber so. Doch woher kommt das? Von der Emanzipation. Schließt sich langsam der Erklärbär-Kreis?

Ich habe mich inzwischen mit einigen Frauen unterhalten, die ähnliche Meinung haben wie ich. Viele WOLLEN gar keine Karriere machen. Für viele Frauen ist das Lebensziel eine Familie zu gründen und diese gut ernähren zu können. Und da stellt sich dann wohl die Frage „und wie willst du deine Familie ernähren, wenn du nicht arbeitest“. Völlig falscher Ansatz. In einer Welt, in der sich viele Eltern scheiden lassen, sollte man wohl auch zur Not alleine (egal ob Mann oder Frau) für seine Kinder sorgen können – traurig genug, dass das inzwischen keine Seltenheit mehr ist. In das Thema der Alleinerziehenden möchte ich aber auch gar nicht so tief einsteigen, das ist nicht mein Fachgebiet. Mein Gedanke zu der Frage ist allerdings: Um eine Familie ernähren zu können, muss ich keine großartige Karriere machen.

Viele Frauen fühlen sich von dem gesellschaftlichen Druck, der Emanzipation und allem, was sie mit sich zieht, schon quasi „genötigt“ eine Karriere anstreben zu müssen. Und ich finde das irgendwie traurig. Man sagt immer „es müssen mehr Frauen in Führungspositionen“. JA. Bin ich absolut dafür, solang sie das auch wirklich wollen. Aber – und genau das ist der Punkt – was ist, wenn sie das gar nicht möchten?

Durch die Emanzipation wird der Gesellschaft aber auf gewisse Art und Weise „vorgeschrieben“, dass eine Frau sich genauso um ihre Karriere kümmern muss. Dass es mehr Frauen geben muss, die den Aufstieg in die Führung machen müssen. Es wird quasi von einer Frau abverlangt, nun BEIDES in absoluter Perfektion zu regeln. Übertrieben gesprochen. Natürlich ist es auch immer persönliche Einstellungssache, inwieweit man sich von diesen Vorstellungen der Gesellschaft mitziehen, bzw. beeinflussen lässt. Ich kann nur für mich sprechen und muss ehrlich gestehen, für mich war auch lange Zeit die Karriere der einzige Weg. Immer noch macht es mir „Sorge“ wie das wohl ist, mit Kindern, ob ich meine „Karriereideen“ dann fallen lassen muss. Es bereitet mir jetzt schon Stress obwohl ich darüber noch gar nicht nachdenken müsste.

Was ich sagen möchte ist: ich finde Emanzipation gut. Wichtig. Unglaublich wichtig. Aber dennoch müssen wir auf gewisse Art und Weise realistisch bleiben. Klar kann Frau ein Kind bekommen und direkt nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gehen. Dann hat man weniger Bindung zum Kind, macht aber Karriere. Aber ist es das, was wir wollen? Tut man es nicht, und geht in Elternzeit, dann stellt man sich vielleicht die Frage „habe ich jetzt beruflich etwas verpasst, wo wäre ich jetzt, wenn ich doch wieder früher arbeiten gegangen wäre“. Fragen, die man sich nur stellt, weil es „erwartet“ wird.

Ich möchte jedoch aufmerksam darauf machen, dass wir selbst in der Position sind, realistisch und losgelöst von jeglichem gesellschaftlichen Druck entscheiden müssen, was unsere Priorität ist. Nur weil andere von dir erwarten, Karriere zu machen UND die perfekte fürsorgliche Mutter/Ehefrau zu sein, heißt das noch lange nicht, dass du das sein musst.

Du willst die Karriere und möchtest kein klassisches Familienleben? Völlig okai, dann ignorier die Sprüche dazu, dass man als Frau doch Kinder wollen muss – nein, muss man nicht.

Du willst Kinder, Haus, Hund, Mann – ganz „klassisch“ (auch eigentlich ein falscher Begriff, wenn man schon von gesellschaftlichen Aussagen spricht) – dann konzentriere dich darauf. Du musst dich vor niemandem rechtfertigen, dass du keine Karriere machen möchtest.

Das sagt sich immer einfach so leicht. Ich schreibe diese Worte hier und denke mir: genau der richtige Gedanke, Mia. Keinen Druck, Keinen Zwang – das möchtest du deinen (bei diesem Thema wohl vor Allem weiblichen) Lesern mitteilen. Und im selben Atemzug wird die andere Stimme laut, die sagt: du bist doch selbst nicht besser. Möchtest Karriere und Familie.

Leute, das hier sind absolute private Einblicke in mein Leben und meine Gedanken. Was ich fühle, wenn ich mir diese Frage stelle? Ganz viele Fragezeichen. Gerade durch das ganze Emanzipationsthema wird einem die Möglichkeit ja eröffnet, Karriere zu machen. Wenn ich an die Polizei denke, an diesen Job der mich so unglaublich glücklich macht und erfüllt, dann springt mein Herz vor Freude. Wenn ich dann darüber nachdenke, hier immer mehr zu lernen, stärker zu werden, besser zu werden und vielleicht doch irgendwann in der Zukunft noch „was aus mir machen“ zu können, dann bin ich erfüllt von Freude und Energie. Dann kommt der Gedanke mit der Familie. Und plötzlich stehe ich vor einer Frage, die mir absolut nicht gefällt.

Ich glaube, das ist der erste Text, bei dem ich nicht zu einer „klugen Schlussfolgerung“ komme. Das erste Mal, dass ich euch meine Gedanken eröffne ohne euch sagen zu können, wie es ausgeht. Eine Geschichte ohne Ende. Noch nicht. Irgendwann, am Ende des Tagebuchs, werden wir wissen, wie es ausgegangen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt versuche ich, alles langsam auf mich zukommen zu lassen und kann euch nur sagen: so gerne ich euch einen Rat geben würde – all denen, die mich fragen – ich kann es euch nicht sagen. Ich weiß nicht wie so etwas läuft, wie man sich da entscheiden soll, und wie es ist, als Mama bei der Polizei zu sein. Vielleicht kann ich es euch eines Tages berichten, aber aktuell habe ich keine Ahnung von all dem. Bis ich euch also meinen „schlauen Rat“ geben kann, müsst ihr euch noch einige Zeit gedulden. Bis dahin bin ich glücklich und erleichtert, wenn andere Frauen, die sich für Karriere, oder Familie, oder beides entschieden haben, ihre Lebenserfahrung mit mir teilen.

In Liebe

gez. Mia

Ein Gedanke zu „Emanzipation – alles nur toll?

  1. Hallo Mia!
    Ich habe deine Gedankengänge selbst erlebt, zumindest in ähnlicher Weise.
    Mein Tipp: das Leben läuft sowieso anders, als man es plant! Lass alles auf dich zukommen. Wenn du den Partner findest, mit dem du eine Familie gründen willst, wirst du schon merken, wie sehr der Drang danach sein wird, Mama zu sein oder nach dem Mutterschutz gleich wieder arbeiten zu gehen. Und vielleicht denkst du, du bist so weit, und dann erfüllt sich der Plan einfach nicht. Weil der Partner nicht mehr da ist, oder weil es einfach nicht klappt.
    Auch eine Karriere kann man planen, aber den Einfluss, gerade in einer Behörde wie der Polizei, kann man eigentlich nur relativ selten nehmen. Man selbst kann zwar die Weichen stellen, aber irgendwie ist man trotzdem ein Blatt im Wind und abhängig von Beurteilung und Vorgesetzten. Da ist es gut, dass es die Emanzipation gibt und man die Chefs erst mal nicht davon überzeugen muss, dass man als Frau auch für die Karriere geeignet ist.
    Und wer keine Karriere möchte, lässt es einfach sein, und kommuniziert das. Das ist aber unabhängig von Geschlecht!

    Mach dir keine Druck, du wirst sehen, wohin dich das Leben bringt!

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